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„Wir müssen Ihnen leider mitteilen, dass wir uns für einen anderen Bewerber entschieden haben“, so liest es Andreas (16) in einem Brief von der Firma, bei der er sich vor wenigen Tagen persönlich vorgestellt hatte. Jetzt kommt es darauf an, mit der „Niederlage“ richtig umzugehen und aus Fehlern zu lernen. Wie man sich auf ein Bewerbungsverfahren gezielt vorbereiten kann, vermittelt die AOK Freilassing in jedem Jahr unseren Neuntklässlern im Rahmen eines Bewerbertrainings.

Die Situation auf dem Ausbildungsmarkt hat sich in den letzten Jahren deutlich entspannt. Knapp 30.000 offene Ausbildungsstellen meldete die Bundesagentur für Arbeit im letzten Herbst. Das Zahlenwerk klingt für junge Leute vielversprechend, ist aber noch keine Garantie für eine berufliche Laufbahn, die nachhaltig zufrieden stellt. Oft ist die richtige Lehrstellenwahl wie ein Sechser im Lotto.

War Karl May ein Terrorist, ein Revolutionär, ein Schriftsteller oder Sänger? Vier Antworten stehen dem Bewerber im AOK-Einstellungstest zur Verfügung, eine ist richtig. In welchem Jahr wurde Deutschland wiedervereinigt? Wie heißt der Gründer von Facebook? Jetzt zeigt sich, wer sich im tagespolitischen Geschehen auskennt, schon mal eine Zeitung zur Hand nimmt, Nachrichten im Fernsehen schaut und im Unterricht aufpasst. Der nämlich hat gute Karten den Teil eines Einstellungstests zu bestehen, der das Allgemeinwissen abfragt.

Das scheint für viele Unternehmen ebenso von Bedeutung wie mathematisches Grundverständnis und Konzentrations- und Intelligenzleistungen. Häufig stehen auch sprachliche Strukturtests oder solche, die das technische Verständnis erheben sollen, auf dem Programm. Wurde man als Bewerber zum Einstellungstest eingeladen, ist man im üblichen Bewerbungsprozedere schon weit vorgedrungen. Bis dahin war Andreas erfolgreich. Sein älterer Bruder, selbst im dritten Ausbildungsjahr zum Industriekaufmann, hatte ihm beim Verfassen von Bewerbungsschreiben und Lebenslauf geholfen. „Das sollte formal und inhaltlich einwandfrei sein“, so AOK-Referent Michael Brandl, der gemeinsam mit seinem Kollegen Florian Hintermeier wertvolle Tipps und persönliche Erfahrungen an die Schüler weitergeben kann.

Mit dem Abschluss der mittleren Reife sei man auf dem Ausbildungsstellenmarkt gut aufgestellt, konstatieren die beiden ehemaligen Knabenrealschüler übereinstimmend. Bei der Bewerbung gehe es jetzt um Details, die sich vorbereiten ließen. Man sollte sich in jedem Falle helfen lassen, was vor allem beim Bewerbungsschreiben kein Problem sei. Hier gibt der künftige Mitarbeiter seine erste Visitenkarte ab. Er zeigt, was ihn an der Ausbildung interessiert, welche Voraussetzungen und Kenntnisse er mitbringt und warum gerade er genau der Richtige für die Stelle ist. Immer häufiger wird neben Anschreiben und Lebenslauf auch eine so genannte dritte Seite, die Motivationsseite, angefügt. Sie beginnt häufig mit einer Überschrift, die neugierig macht, um dann, in kleinen Absätzen gestaltet, über  „berufliche Ziele“ oder „wichtige persönliche Erfahrungen“ ein Stärkenprofil des Bewerbers zu entwickeln.

Hat die Visitenkarte den Zugang ins Chefzimmer ermöglicht, kommt jetzt die heikelste Etappe auf dem Weg zur erfolgreichen Bewerbung. Freundlich, höflich, ehrlich sind drei grundlegende Verhaltensregeln, die für das Vorstellungsgespräch gelten. Einige Dinge solle man erst dann tun, wenn man dazu aufgefordert wird: den Raum betreten, sich hinsetzen, Fragen stellen und die eigene Meinung kundtun. Blickkontakt zum Gesprächspartner halten, ausreden lassen, Ruhe bewahren, möglichst zwanglos, klar und deutlich sprechen, aber auch nicht zu zurückhaltend sein, all das gilt es zu beherzigen für das erste Vieraugengespräch mit dem künftigen Chef. „Überzeugend und sympathisch rüberkommen, offen sein und aus sich rausgehen, darauf komme es an“, so Brandl. Das üben die Teilnehmer des Bewerbertrainings vor laufender Kamera – und werten anschließend ihre Gespräche aus.  Dabei sollte die Kleidung sollte zum Berufsbild passen. Dezent gehaltenes Styling, sei wichtig. Über die richtige Kleidung entscheide immer der Beruf, für den man sich bewirbt. „Das äußere Erscheinungsbild ist wichtig. Darauf stützt sich der erste Eindruck vom Bewerber“, so Brandl. Vor allem aber gelte, sich vorab genau über den Ausbildungsberuf und das Unternehmen zu informieren.

(J. Vesper)

 
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