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Gebannt lauschen die Buben der Knabenrealschule den Worten von Polizeihauptmeister Günter Rauscher, der die Verkehrsaktion gemeinsam mit dem THW Berchtesgadener Land umsetzte.
Projekte, Bilder, Bücher, Filme, um Schulkindern die Gefahren des Straßenverkehrs nahezubringen, gibt es viele Möglichkeiten. Der Lernerfolg ist erfahrungsgemäß dann am größten, wenn sie selbst etwas ausprobieren können. Dazu hatten unsere Sechstklässler dieser Tage im Rahmen der Verkehrsaktion „toter Winkel“ Gelegenheit.
Als toter Winkel wird im Straßenverkehr der von Fahrern innerhalb geschlossener Fahrzeuge trotz Rückspiegel nicht einsehbare Bereich seitlich, vor und hinter dem Fahrzeug bezeichnet. Dieser Bereich ist bei verschiedenen Fahrzeugen unterschiedlich groß und nicht vollständig zu vermeiden. Unfälle im Zusammenhang mit dem toten Winkel gehören zu denen mit besonders hoher Todesrate, konstatiert die Landesverkehrswacht Bayern und unterstützt den Verkehrsunterricht aller Schulen tatkräftig.
Wie eingeschränkt die Sichtverhältnisse trotz der erhöhten Sitzpostion am Steuer eines LKW sind, darf an diesem Vormittag jeder der Schüler einmal ausprobieren. Dafür hat sich Franz Egger vom THW Berchtesgadener Land einen Tag Urlaub genommen und ist mit seinem 340 PS starken LKW-Kipper mit Ladekran und Anhänger vorgefahren. Der Betriebselektriker aus Ainring hilft den Buben ins Führerhaus. Vor allem auf der rechten Seite und unmittelbar vor dem Fahrzeug befinden sich so genannte blinde Flecke, die die Jungen gezielt abschreiten. Polizeihauptmeister Günter Rauscher vom Fortbildungsinstitut Ainring lässt die Kinder am seitlichen Fahrzeugrand immer wieder im toten Winkel „verschwinden“. Was hier noch spielerisch in Szene gesetzt erscheint, birgt im tagtäglichen Straßenverkehr große Gefahrenmomente.
Entschärft werden könne die Gefahr, indem die Kinder Blickkontakt über den Spiegel mit dem Fahrer aufnehmen, so Rauscher. „Wenn sie den Fahrer sehen, kann er sie auch sehen.“ Der Weitwinkel- oder Nahbereichsspiegel, mit dem neuzugelassene Lkw seit 2007 ausgestattet sind, erlauben den Fahrern ein erweitertes Sichtfeld. Doch Weitwinkelspiegel können den toten Winkel zwar verkleinern, aber nicht völlig beseitigen. In der Regel sieht der Lkw-Fahrer nur den Raum direkt neben dem Führerhaus und einen Bereich, der sich unmittelbar neben dem Fahrzeug nach hinten erstreckt. Dazwischen befindet sich eine Fläche, die die geometrische Form eines nach hinten offenen, spitzen Winkels von etwa 30 Grad hat. Alles, was sich in diesem Raum befindet, kann vom Fahrer nicht gesehen werden.
„Besonders wichtig für Kinder ist der Bereich an der Vorderseite von Bussen und Lkws“, so Rauscher. Deshalb gelte vor allem für Schulbusfahrten: „Nach dem Aussteigen zuerst den Bus wegfahren lassen und dann die Straße überqueren“. Aber auch der toten Winkel an der Rückseite von Fahrzegen, die rückwärts fahren, fordere durch Unachtsamkeiten immer wieder Unfallopfer, zum Beispiel auf Parkplätzen, an Haltestellen oder in der Landwirtschaft. Außerdem sei der Blick über die linke Schulter beim Linksabbiegen oder Überholen lebenswichtig. Das gelte nicht nur für Kraftfahrer, sondern auch für Radfahrer.
Besonders unfallträchtige Situationen entstehen beim Rechtsabbiegen mehrachsiger und längerer Fahrzeuge. Während Franz Egger mit seinem Sattelzug beim Kurvenfahren mit den Vorderreifen an den am Bordstein entlang angeordneten Plastikbecher noch vorbeilenken kann, tanzen seine Hinterräder mächtig aus der Reihe. Sie nehmen einen Weg, der rechts von der Spur der Vorderräder liegt. Wer sich in diesem Bereich aufhält, dem droht große Gefahr durch die Hinterräder, zumal sie schräg von links hinten, also unerwartet kommen. Gerade Ampelanlagen und Kreuzungen bergen diesbezüglich ein erhöhtes Risiko. „Wir wollen mit unseren Verkehrsaktionen die Kinder und Jugendlichen für derartige Risiken sensibilisieren“, zog Lehrer Klaus Thielen, Sicherheitsbeirat der Stadt Freilassing und zuständig für Sicherheitsfragen im Schulhaus, ein positives Fazit dieses lehrreichen Vormittags. Natürlich brauche man diesbezüglich auch die Unterstützung der Eltern. Schließlich gehe es vor allem in der Verkehrserziehung um Nachhaltigkeit. |