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So lautet das Mut machende Motto, hinter dem sich die Arbeit eines Teams verbirgt, das sich an unserer Schule eingehend mit dem Thema „Mobbing“ beschäftigt hat und nun seine Erfahrungen in der Praxis anwendet. Im Englischen bedeutet „to mob“ jemanden fertigmachen – und diese Übersetzung trifft den Kern der Angelegenheit schon recht genau. Das Phänomen gab es auch schon zu früheren Zeiten, doch heute lässt es sich wesentlich präziser fassen, wissenschaftlich erforschen und im privaten, schulischen und beruflichen Alltag gezielt angehen. Das eingangs erwähnte Team stellt sich dieser Aufgabe und setzt sich aus den Lehrkräften Frau Ullrich, Beratungslehrerin, Frau Sichler und Herrn Koch zusammen. An alle drei können sich all die wenden, denen das Problem, egal in welcher Form auch immer, zu schaffen macht. Am ersten Elternabend des Schuljahres präsentierte das MgG-Team sein umfassendes Konzept einer aufmerksamen Zuhörerschaft in der gut gefüllten Turnhalle. Im Rahmen eines Gesprächs wurden noch einmal wichtige Aspekte des Themas verdeutlicht.
„Mobbing“ ein Dauerbrenner in den Medien. Ist ein falsches Bild entstanden?
Herr Koch: Mobbing ist die häufigste Gewaltform an Schulen, doch nur die Fälle, die für Schlagzeilen taugen, erscheinen in den Medien. Dadurch entsteht ein verzerrter Eindruck. Nicht körperliche Gewalt ist das größte Problem an Schulen, sondern die verbale. Kommt es häufiger und über einen längeren Zeitraum hin zu einer Situation, in der das so genannte Opfer allein keinen Ausweg mehr findet, deutet alles auf einen Fall von Mobbing hin.
Frau Sichler: In solchen Fällen sind auch unsere Streitschlichter überfordert. Ein Streit wird immer durch einen bestimmten Anlass ausgelöst, durch Aussprache lässt er sich meistens lösen. Das unterscheidet ihn vom Mobbing.
Wie ist die Situation an unserer Schule einzuschätzen?
Frau Sichler: Mobbing ist vor allem ein Jungenproblem. Das zeigen verschiedene Untersuchungen. Hauptsächlich in den 5. und 8. Klassen kommt es diesbezüglich zu Vorfällen. Auch in der Grundschule treten leichte Mobbingformen auf. Langeweile, Angst, Unzufriedenheit, aber auch Frust und Stress gelten als Auslöser.
Frau Ullrich: Wir haben an unserer Schule vor den Sommerferien selbst eine Umfrage zum Thema „Gewalt“ gemacht. Die Ergebnisse waren aufschlussreich und bestätigten die Ergebnisse der wissenschaftlichen Studien. Am Ende dieses Schuljahres werden wir eine zweite Umfrage durchführen. Sie wird zeigen, ob unsere Arbeit Früchte trägt.
Herr Koch: „An unserer Schule gibt es kein Mobbing“ – oder: „Es ist doch alles harmlos.“ „Die soll sich nicht so anstellen.“ Mit solchen Fehleinschätzungen wird der Problematik lapidar die Stirn geboten. So etwas trägt dazu bei, die Situation zu verschlimmern.
Mobbing ist selten die Untat eines Einzelnen.
Herr Koch: Zumeist spielt die Gruppe eine Rolle, vor allem weil sich viele in der Zuschauerrolle einfinden. Die beteiligen sich mehr oder weniger aktiv, zeigen sich belustigt oder wollen einen guten Stand haben. Während das vermeintliche Opfer zusehends seiner Rolle verfällt, gewinnen gleichzeitig die Täter mehr und mehr die Oberhand. Hier spielen oft Status, Prestige, Gefühle von Macht oder das Gewalterleben eine wichtige Rolle. Das Schweigen der Mehrheit erleben Täter als Rechtfertigung ihrer Untaten. Es gibt keine Unbeteiligten.
Ohne Beistand – wie lange hält ein Opfer so etwas aus?
Frau Ullrich: Die Folgen für Mobbingopfer sind oft fatal. Sie reichen von Konzentrationsstörungen über Leistungsabfall bis hin zu psychosomatischen Problemen. Lustlosigkeit, Antriebsschwäche, sozialer Rückzug, das Fernbleiben vom Unterricht kommen vor. Ein oft lang andauernder, schmerzhafter Leidensweg setzt ein.
Frau Sichler: Wenn man all das hört, möchte man dringend was tun. Keine Freunde, Verstimmungen, Niedergeschlagenheit und das Absinken der Schulleistungen sollten für Eltern deutliche Anzeichen einer akuten Mobbingproblematik im Schulalltag sein. Will ein Kind nicht mehr in die Schule gehen, verlangt es gar zusätzliches Geld, dann sollten die Alarmglocken schrillen. Das Kind in einem ruhigen Moment ansprechen, nachfragen, es erzählen lassen, hier gilt es, mit Einfühlungsvermögen der Sache auf den Grund zu gehen.
Frau Ullrich: Kinder öffnen sich häufig zuerst nicht, weil sie sich schämen. Sie haben Angst, dass durch das Eingreifen von Eltern oder Lehrkräften alles noch viel schlimmer wird. Oft glauben sie selbst, für die schwierige Situation verantwortlich zu sein.
Frau Sichler: In keinem Fall sollte man das Kind jetzt daheim lassen. Gemeinsames Überlegen und die Übung von Verhalten, Vereinbarungen treffen, mit der Schule Kontakt aufnehmen, in den nächsten Tagen nachfragen – hier ist die Initiative der Eltern gefordert.
Herr Koch: „Verhalten üben“ heißt Körpersprache trainieren. Ein aufrechter selbstbewusster Gang verändert mein Auftreten. Mit direktem Blickkontakt deutlich „Nein“ sagen zu können, auch das lässt sich üben.
Frau Ullrich: Das Opfer entscheidet, wann es Gewalt erlebt hat und wie schwerwiegend es diese empfunden hat – nicht der Täter oder das Umfeld. Das ist der Maßstab, der hier anzulegen ist. |