Home Events Von Phoenix nach Freilassing: Samuel Damore zu Gast an unserer Schule
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Am besten gefällt es Samuel (hinten links im Bild, im blauen T-Shirt) im Englisch- und Matheunterricht. In den letzten Wochen des Schuljahres hat der Junge aus Phoenix/Arizona als Gastschüler der Knabenrealschule Gelegenheit, bayerische Unterrichtsluft zu schnuppern. Und die scheint ihm gut zu bekommen.

So kurz vor Toreschluss weht zumeist ein rauer Wind durch die Lernanstalten. Das alljährliche Zeugnisprozedere steht an. The same procedure as every year, ist man geneigt zu sagen. Für den 13-jährigen Sam ist das Schuljahresfinale ein besonderes Erlebnis, von dem er bald daheim seinen Freunden erzählen wird.

Würde man Samuel eine Verlängerung seines Aufenthaltes in Freilassing antragen, hätte er damit keine Probleme. Er fühlt sich rundum wohl im oberbayerischen Schulalltag, wo „Schafkopfen“ auf dem Stundenplan steht und benutzen gern mit „ü“ geschrieben wird. Voll des Lobes ist der Junge für den verregneten deutschen Sommer. „It´s not so hot here“, weist er auf die Vorzüge mitteleuropäischen Kontinentalklimas hin. Das Wüstenklima im heimischen Arizona erschwere die Arbeit im Allgemeinen und die der Schule im Besonderen. 312 Tage Sonnenschein im Jahr und von Mitte Mai bis Mitte September Temperaturen um die 40, manchmal bis zu 50 Grad, zeigen die Thermometer der Millionen-Metropole in der Sonorawüste an. Im wärmehaltigen Schulgebäude der Knabenrealschule würden diese Bedingungen 300 mal Kurzstunden und hitzefrei im Jahr bedeuten.

Samuel beobachtet das umtriebige Schulleben kurz vor den großen Ferien aufmerksam. Die Englischkenntnisse seiner Mitschüler bewertet er dabei durchweg besser als es die Lehrer tun. Für die Jungs in der Klasse 6 B ist sein Besuch ein willkommener Anlass zum Fremdsprachengebrauch. Eigentlich wollte Samuel auch etwas Deutsch lernen. In der Zahlenwelt der Mathematik kommt er ohne große Erläuterungen aus. „The school system in Germany is better than in Arizona“, verteilt der Gast aus den USA, der sich zusammen mit seinen Eltern in Freilassing aufhält, artig Komplimente. Dass die bundesrepublikanische Schullandschaft in etwa so zerklüftet ist wie der legendäre Grand Canyon im Norden seines Heimatstaates, lässt sich nicht auf Anhieb erschließen. Jeder Schulfreunde habe seinen ganz eigenen Lern- und Stundenplan. Außerdem komme man nie vor 15 Uhr aus der Schule. „Der Schulbetrieb in Deutschland ist viel besser organisiert“, so der sympathische Junge., der sich schnell in seine neue Lernumgebung eingefunden hat. Man könne sich leichter orientieren.

Daheim darf sich Samuel „student“ nennen. In den Vereinigten Staaten sucht man Haupt- und Realschulen vergebens, genauso wie das Gymnasium. Es gibt keine unterschiedlichen Schulformen, alle Mädchen und Jungen werden gemeinsam in der Schulstufe unterrichtet, die ihrem Alter entspricht. Das Schulsystem mit Gesamtschulcharakter bemüht sich um die Umsetzung integrativen Unterrichts. Kinder mit unterschiedlichen Behinderungen und Lerneinschränkungen werden ebenso in einer normalen Klasse gefördert wie die Hochbegabten. Von der Grundschule an werden die Klassenverbände jedes Jahr vollständig aufgelöst und neu zusammengestellt. Auch der Klassenlehrer, der über jeden Schüler genau Protokoll führt und dabei oft von einem Assistenten unterstützt wird, wechselt zu jedem neuen Schuljahr. An die Stelle von Klassleitern treten in den höheren Jahrgängen der Highschools die so genannten Ansprechlehrer.

An unserer Kletterwand und beim Besuch des Hochseilgartens konnte Samuel seiner großen Leidenschaft nachgehen. Als begeisterter Kletterer könnte er in der nahen Alpenregion nahtlos an seine heimischen sportlichen Gewohnheiten anknüpfen. Das Grün der Landschaft, die Wälder, Berge und Seen im schönen Bayern haben es dem Jungen mit dem unverkennbaren Hang zur Bergromantik besonders angetan. Ein Ausflug ins Berchtesgadener Land und die Besichtigung des Kehlsteinhauses zählten für ihn zu den Höhepunkten seines bisherigen Aufenthalts. Der Grand Canyon gehört zu den größten Naturwundern der Erde, die Rossfeld Panorama Straße zu den schönsten Passstraßen Europas. Ob Heim- oder Fernweh, Samuel bleiben unvergessliche Eindrücke und seinen Gastgebern im Realschulhaus die Hoffnung auf ein paar sonnige Ferientage.

J. Vesper

 
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