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„An der Quelle der ewigen Jugend“, finden sich nicht nur die wieder, die sich der neuen Lego-Themenwelt „Piraten der Karibik“ verschreiben, sondern auch jene, die einstmals die bunten Kunstoffquader aus dem Hause „Lego“ in ihre Kinderhände bekamen und die sie seither nicht mehr losließen. Dabei sind aus den ersten Legosteinen der Nachkriegsgeneration mittlerweile High Tech-Bausätze geworden, die nicht mehr nur zum Spielen, sondern auch zum Lernen anregen sollen. Einen ersten Eindruck dieser anspruchsvollen Lernidee bekamen unsere Jungen der 8 A. Sie bescherten dem neuen LEGO Education Innovation Studio in Bischofswiesen die Feuertaufe.
Ganze Schulklassen nehmen die Angebote des Spielzeugherstellers in Anspruch, um sich technisch und naturwissenschaftlich auf den neuesten Stand zu bringen. Eines dieser Schülerforschungszentren wurde kürzlich in der Grundschule Bischofswiesen eingerichtet und im Rahmen einer feierlichen Übergabe eröffnet. Wo Erstklässler ihre ersten zaghaften Schreibversuche starten, gibt es jetzt auch ein „Education Innovation Studio“ jenes Unternehmens, das der innovative Tischlermeister Ole Kirk Christiansen im Jahre 1932 gründete und das heute unter dem Namen Lego Group zu den Weltmarktführern zählt und dabei Spielzeug-Geschichte geschrieben hat. Aus den Worten seiner dänischen Muttersprache „Leg godt“, was nichts anderes bedeutet als „Spiel gut“, leitete er den Namen „Lego“ ab. 1949 entstanden die ersten Lego-Steine, knapp zehn Jahre später kam der Legostein, wie wir ihn heute kennen, auf den Markt. Die Noppen auf der Oberseite sind Teil des typischen Klemmsystems. Die Methode des Einzapfens wurde von den bereits im 19. Jahrhundert bekannten, aus Steinmehl gepressten Ankerbausteinen übernommen.
Stand in den Jahren der Nachkriegszeit und des Wiederaufbaus die schlichte, aber gründliche Baukonstruktion auf dem Spielplan, so haben mittlerweile ausgefeilte und anspruchsvolle Themenwelten mit Erlebnischarakter wie „Architecture“ oder „Trains“ in die Kinderzimmer Einzug gehalten. Auch der durch seine Filme berühmt gewordene Pirat aus der Karibik gehört dazu. Er „duelliert sich an den Wassermühlen“, „flieht vor Kannibalen“ oder er sucht sich, wie schon erwähnt, „ewige Jugend zu bewahren“. Die Produktpallette wurde ständig erweitert, nach wie vor lassen sich die Bauteile früherer Generationen mit denen der heutigen nahtlos zusammenfügen.
Sebastian Gottschalk, Achtklässler der Knabenrealschule, möchte weder Pirat noch Architekt sein. Er freut sich auf den Unterrichtsvormittag in Bischofwiesen. Die Versorgung einer ganzen Stadt mit Solarenergie, dazu wird Sebastian in seinem Experiment einen Beitrag leisten. Dafür müssen Computer programmiert und Roboter in Gang gesetzt werden. Eigenständig erarbeiten die Jungen Lösungsansätze zum Thema „Erneuerbare Energien“. Das Aufgabenfeld fordert zum wissenschaftlichen Denken heraus. „Sie stellen Vermutungen an, greifen aber auch auf eigene Erfahrungen zurück“, so Fachlehrer Klaus Thielen, der die Gruppe gemeinsam mit seinem Kollegen Rainer Reiter betreut. Auch Kenntnisse aus anderen Fächern und viel Kreativität seien gefordert. Die Diskussion im Team solle die Zielfindung beschleunigen.
„Eine hervorragende Ausstattung“, ist Thielen voll des Lobes für diesen Lernort, der reichlich Gelegenheit für vielfältiges Experimentieren eröffnet. „Hier lassen sich praxisorientiert viele Lerninhalte aus dem Unterricht vermitteln und ergänzen.“ Auch spezielle Projekte könne man auf den Weg bringen, aber auch Wahlkurse oder Arbeitsgemeinschaften durchführen. „Eine einmalige Gelegenheit“, so Reiter, der vor seiner Lehrertätigkeit 20 Jahre lang als Ingenieur in der freien Wirtschaft tätig war und der weiß, worauf es ankommt. „Praktisches Tun ist durch nichts zu ersetzen,“ so der Physiklehrer. Außerdem entstünden Schülern und Eltern keine zusätzlichen Kosten, auch die Fahrtkosten würden vom Schulträger übernommen. Bereits im Grundschulalter können Kinder Einblicke in die Konstruktion von einfachen Maschinen bekommen und erste Erfahrungen im Programmieren sammeln. Mit den so genannten Lego Education Sets „Naturwissenschaften“ und den Erweiterungen „Pneumatik“ und „Erneuerbare Energien“ können die Schüler selbstbestimmte und individuelle Problemlösungen finden. Mit den „Mindstorms NXT Sets“ lassen sich Roboter bauen, die mit verschiedenen Sensoren knifflige Aufgaben lösen, wenn man sie entsprechend programmiert.
Bis zum Ende des Jahres soll das Ganze im neu errichteten Schülerforschungszentrum in Berchtesgaden seinen Platz finden. Auch die TU München und der lokale Schulcluster sind an der Umsetzung dieser außergewöhnlichen Projektidee beteiligt. Im Gebäude des früheren Gymnasiums, das die Marktgemeinde unentgeltlich zur Verfügung stellt, soll dann der außerschulische Lernort zur festen Einrichtung werden.
J. Vesper |