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Noch nie hat eine Stadt sowohl Sommer- und als auch Winterspiele ausgerichtet. Für München könnte der Traum, nach 1972 zum zweiten Mal Olympiagastgeber zu sein, übermorgen in Erfüllung gehen.
Kurz nach 17 Uhr am Mittwochnachmittag wird die Entscheidung über die Vergabe der Olympischen Winterspiele 2018 vom IOC im südafrikanischen Durban bekannt gegeben. Sollte tatsächlich, wie es viele erhoffen, im Rahmen der zeremoniellen Präsentation der Name der bayerischen Landeshauptstadt aus dem weißen Briefumschlag gezogen werden, würde nicht nur am Königssee kräftig gefeiert, sondern der Funke des vorolympischen Feuers könnte auch auf Freilassing überspringen.
Nach einem knapp 43-monatigen Bewerbungsmarathon ist für Sportler, Funktionäre, Fans und Sponsoren die Ziellinie in Sichtweite. Der 6. Juli wird für viele ein Feiertag, und das im wahrsten Sinne des Wortes. „Wir starten mit einer großen Sause um 8.15 Uhr am Königssee“, gibt sich Ute Bischof, Vorsitzende des Vereins „Berchtesgadener Land – OlympiJA“, schon in ungetrübter Festtagsstimmung. Ab 17 Uhr wird man dort, wo die Bob- und Schlittensportler in sieben Jahren auf Medaillenjagd gehen könnten, per Liveschaltung nach Durban das dortige Geschehen mit Spannung verfolgen. „Ich gehe davon aus, dass wir den Zuschlag bekommen“, verbreitet Bischof Zuversicht auf ganzer Linie. Schließlich habe man eine herausragende Bewerbung abgeliefert.
Mit dieser Meinung steht die agile Betriebswirtin aus der Vorstandschaft der Wirtschaftsjunioren Rupertiwinkel nicht allein da. Vor allem die Präsentation in Lausanne Mitte Mai habe München viele Pluspunkte gebracht, meldet sich die Kuratoriumsvorsitzende der Münchner Bewerbung, Kati Witt, zu Wort. „Unser Ziel war immer, die anderen im Endspurt abzufangen“, so die zweimalige Eiskunstlauf-Olympiasiegerin. Den Experten zufolge habe München in den letzten Monaten kräftig aufgeholt und jetzt sogar die Favoritenrolle inne, melden die Agenturen und berufen sich dabei auf das IOC-nahe US-Branchenblatt „Around the Ring“. Demnach habe München im Mai einen signifikanten Schub durch das positive Ergebnis des Bürgerentscheids in Garmisch-Partenkirchen erhalten und die stärksten Auftritte bei den internationalen Präsentationen gezeigt.
Einen deutlichen Gegenentwurf zur südkoreanischen Bewerbung aus Pyeongchang habe man platzieren wollen, so IOC-Vizechef und DOSB-Präsident Thomas Bach. In diesem Zeichen stehe auch die abschließende 45-Minuten-Präsentation in Durban. Die Weichen sind gestellt. Um 15.35 Uhr wird das 110-köpfige Komitee zur endgültigen Abstimmung antreten. Dafür erhofft sich Ute Bischof neben all den rationalen Aspekten, die die Sportfunktionäre hierbei leiten werden, auch auf ihre emotionalen Eingebungen. „Die Entscheidung für München aus einem Bauchgefühl heraus, das kann ich mir gut vorstellen.“ Auch Freilassings Bürgermeister Josef Flatscher glaubt fest an einen bayerischen Sieg im Bewerberfinale, in dem der französischen Stadt Annecy als drittem Teilnehmer nur noch Außenseiterchancen eingeräumt werden. Ganz nah dran am großen Geschehen wähnt sich das Stadtoberhaupt: „Eine einmalige Chance, eine tolle Werbung für die Region.“ Mit der Aussicht auf Olympia ließen sich auch in unserer Gemeinde strukturelle Vorhaben wie der Umbau des Bahnhofs beschleunigen.
Kurz vor Toreschluss werden auch noch einmal die Stimmen laut, die das Großprojekt „Winterolympiade München 2018“ auf einen kritischen Prüfstand stellen. In den Auseinandersetzungen der letzten Jahre und Monate stand nur allzu häufig die Diskussion darüber im Vordergrund, wer hier profitiere und wer die Zeche zahle. Der Sport an sich als Kern der olympischen Idee rückte dabei nur allzu häufig ins Hintertreffen „Der Wintersport im Berchtesgadener Land würde stark von den Spielen profitieren“, sagt Alexander Resch, Goldmedaillegewinner im Rodel-Doppelsitzer. Der Ansporn für Jugendliche sei bereits jetzt riesengroß. Im letzten Winter besuchten zahlreiche Schulklassen der Knabenrealschule die Wettkämpfe der Bob- und Skeleton-WM am Königssee und erlebten begeisternde Läufe der Kufenspezialisten aus aller Welt. Athleten, die sonst kaum im Blickpunkt der Öffentlichkeit stehen, die ihren Sport mit Leidenschaft und dem Spaß an der Leistung betreiben. „Wir versuchen unsere Schüler durch verschiedene Aktivitäten für den Wintersport zu begeistern“, so Andrea Langenfelder, ausgebildete Skilehrerin und Konrektorin an der Knabenrealschule. Sportliche Großereignisse wie Olympische Spiele oder Weltmeisterschaften leisteten dem Vorschub. Viele der jungen Athleten, die jetzt schon mit hervorragenden Ergebnissen im Eiskanal von sich Reden machen, werden in sieben Jahren im Kampf um die Medaillenplätze ganz vorne mit dabei sein. Vor heimischer Kulisse erführe ihre Leistung, die über viele Jahre hin hart erarbeitet wurde, eine immense Aufwertung. Ein sportlicher Profit, der seine Wirkung kaum verfehlen dürfte.
(J. Vesper) |