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Noch zwei Minuten dauert an diesem Schulvormittag die Pause, da fliegen noch einmal die Fäuste. Beteiligt sind zwei Jungen einer achten Klasse.

Der Anlass für die Rauferei ist eine vorausgegangene Beleidigung des einen, die der andere  mit Tritten und Schlägen beantwortete. In dem Moment, als der Lehrer ins Geschehen eingreift, steht fest, dass mindestens einer der beiden Kampfhähne Federn lassen muss. Eine für beide Parteien vorteilhaftere Lösung wäre, einen neutralen Vermittler einzuschalten, der hilft, den Konflikt auszuräumen. Im Schulbetrieb heißen diese Mediatoren Streitschlichter. Die gibt es jetzt auch wieder an unserer Schule. Freilassings Bürgermeister Josef Flatscher empfing sie dieser Tage im Rathaus.

Die Mediation hat eine lange Tradition. Bereits im alten Ägypten praktizierte man das Verfahren erfolgreich, mit dem Ziel, die Justiz zu entlasten. Populär wurde die Streitschlichtung bei uns in den 60er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts, als eine Flut von Prozessen über die Gerichte hereinbrach. So werden auch heute noch Nachbarschafts- oder Familienstreitigkeiten Schiedsämtern oder Ombudsleuten zur Vermittlung übergeben. „Das Streitschlichten wird immer wichtiger“, so Bürgermeister Josef Flatscher, der nicht ohne Stolz darauf hinwies, dass auch in Freilassing Mediatoren ihrer verantwortungsvollen Aufgaben nachkommen. „Es ist besser, wenn man im Vorhinein ein kleines Pflaster klebt, als später eine große Wunde nähen zu müssen“, so das Stadtoberhaupt.

Doch schlichten kann nur, wer dafür ausgebildet ist. Verantwortlich hierfür  zeichnete sich  Dipl.-Psych. Gertrud Wölke von der Caritas-Beratungsstelle Freilassing. Sehr intensiv und fordernd sei die Ausbildung gewesen, berichten die beteiligten Lehrkräfte, Christine Asen, Kathrin Hartl, und Michaela Prieschl. Viel gelernt habe man, aber auch Spaß gehabt, ließen die beteiligten Schüler wissen, die sich gemeinsam mit ihren Lehrkräften auch an den freien Samstagen im Schulhaus einfanden. „Wir haben mitgemacht, weil sich das Thema für uns interessant und spannend anhörte“, so Marcus. Als Schüler einer neunten Klasse gehört er zu den älteren im Team, aber auch Sechstklässler sind mit von der Partie. Ohne Strafen auszukommen, Verweise zu vermeiden, so Maximilian, das sei ein Ziel für das es sich zu arbeiten lohne. Neben Marcus Nürnberger und Maximilian Koch nehmen jetzt auch Darleen Zebhauser, Peter Gruber, Andreas Rieger, Andre´ Sigl, Tobias Schweißhelm, Wolfgang Lamminger, Quirin Köppl und Maxi Steinmaßl als frisch ausgebildete Streitschlichter ihre Aufgaben in Angriff.

Konflikte unter Schülern werden nicht immer zur Zufriedenheit der Beteiligten gelöst. Häufig verursachen Missstimmungen weitere gewaltsame Auseinandersetzungen. Dabei sind nicht die Konflikte an sich das Übel. Wenn man gelernt hat, sie angemessen auszutragen und zu bewältigen, tragen sie zur Persönlichkeitsentwicklung bei. Man ist gefordert eigene Standpunkte zu überprüfen und lernt die Einstellungen anderer zu akzeptieren, was letztendlich zu gegenseitiger Achtung und Anerkennung führen sollte. Durch die Mediation werden diese Ziele unterstützt. „In der Streitschlichterausbildung lernen die Schüler die erforderlichen Gesprächstechniken, die Haltung der Neutralität sowie sich in die Beteiligten einzufühlen“, so Wölke. Das sei letztendlich auch ein Beitrag zur Persönlichkeitsbildung des einzelnen.


Sind Schüler nicht in der Lage, ihre Konflikte untereinander zu lösen, wird in den meisten Fällen eine Lehrkraft hinzugezogen. Dies hat zur Folge, dass mindestens einer der Streitenden Sanktionen erfährt. Die Mediation bietet  den Konfliktparteien die Möglichkeit zu einem Kompromiss, auf den sie sich schließlich verständigen und den sie akzeptieren. „Im Idealfall vertragen sie sich wieder“, so Marcus. Eine erfolgreiche Streitschlichtung kennt nur Gewinner. Die volle Unterstützung erfahren die neuen Schlichter und die sie betreuenden Lehrer sowohl seitens der Elternschaft, die von Elternbeirätin Anita Moosleitner im Rathaus vertreten wurde, als auch von der Schulleitung. „Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass Streitschlichtung eine wichtige Rolle im Hinblick auf die Förderung einer friedvollen  Schulkultur  spielt“, so Rektorin Irmengard Schmidtner. Weniger Aggressionen und Gewalt in der Schule, weniger Strafen von oben und mehr Selbstverantwortlichkeit, das seien die  Ziele, die im Vordergrund stünden.

(J. Vesper)

 
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