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Was treiben Kinder und Jugendliche eigentlich im Netz? Die Antworten auf diese Frage fallen heutzutage scheinbar gelassener aus als früher. 

Vor genau 20 Jahren erlebte die Welt die Medienrevolution des World Wide Web, das seither für viel Wirbel sorgt. Darf man aktuellen Statistiken Glauben schenken, nutzen fast 100 Prozent der 14 bis 19-Jährigen die Möglichkeiten des Internet. „Kinder erleben es heute als Teil ihrer Wohnung“, so Polizeiobermeister Reinhard Rudolph von der Polizeiinspektion Freilassing, der vergangene Woche zu den „Gefahren moderner Medien“ in der unserer Aula referierte. 

Ungeeignete Inhalte, Datenschutz, Chat, Abzocke, Copyrightverletzungen, Suchtgefährdung, Mobbing – Gefahrenpotenziale, über die Eltern und Lehrer Bescheid wissen sollten, um Heranwachsende schützen zu können. Doch Rudolph malt nicht den Teufel an die Wand. Das Internet sei heute für die meisten Erwachsenen und Kinder zum alltäglichen Medium geworden, die Haltung der Medienpädagogen sei differenzierter und Eltern und Lehrer hätten sich im Laufe der Jahre mehr Kompetenz erworben. Doch ein Ende der technischen Entwicklung ist kaum absehbar. .„Google Streetview“ und „Google Goggles“ gehören zu den neueren Errungenschaften der US-amerikanischen Suchmaschinenbetreiber. „Nicht nur Straßen und Häuser, sondern oft anstößige Szenen finden sich auf den Streetview-Seiten wieder“, so Rudolph. Noch steckt das Bilderkennungsverfahren „Goggles“ erst am Anfang seiner Entwicklung. Doch eine Zukunft, in der die visuelle Suche genauso normal ist wie der Fingerzeig auf ein Objekt, ist in Fachkreisen durchaus vorstellbar. Mittels der Bilderkennung ein Gesicht oder eine Person zu finden, das werde demnächst möglich sein.


Häufig begeben sich Menschen in die virtuelle Welt mit den gleichen Wünschen und Bedürfnissen wie in die reale. Heranwachsende suchen dasselbe wie im wirklichen Leben, die Art es auszuprobieren ist nur eine andere. „Chatten heißt, man unterhält sich, tauscht sich aus“, so der Medienexperte der Polizei. „Es ist allemal besser als sich vor dem Fernseher berieseln zu lassen“, bricht er eine Lanze für Facebook- und Lokalistennutzer. Aber auch hier gelte es, Vorsicht walten zu lassen: „Besonders gefährlich ist die Preisgabe persönlicher Daten in Chats.“ „Pseudonyme verwenden, keine Daten und Fotos einstellen und sich niemals mit Chatbekanntschaften treffen“, appelliert Rudolph an die entschiedene Durchsetzung von Regeln seitens der Erziehungsverantwortlichen. Empfohlene Voreinstellungen der Netzwerkbetreiber können dabei hilfreich sein. Eine allzu freigiebige Offenlegung der Privatsphäre könne viele Nachteile mit sich bringen. „Bilder vom feuchtfröhlichen Partytreiben sollten nicht zum Gegenstand in einem Bewerbungsgespräch werden.“

Als Mobbing ohne Grenzen wird auch gern das Cybermobbing bezeichnet. Nicht selten werden die Opfer bis ins Kinderzimmer verfolgt. „Mit einem Screenshot, einer Bildschirmkopie, kann man einen Angriff erst einmal sichern,“ so Rudolph. Mit wenigen Klicks auf der Maustaste lasse sich auch der „Nutzer sperren“. Einmal im Netz, immer im Netz, lautet eine weitsichtige Weisheit zum Verhalten im Web. Wenn ich mich in die Fänge von Facebook begebe, trete ich sämtliche Rechte an die Netzwerker ab. Auch der Besuch diverser Foren ist diesbezüglich nicht unproblematisch. „Zeigen Sie ein offenes Interesse an dem, was Ihr Kind tut“, gibt der Internetfachmann den ratsuchenden Eltern mit auf den Weg. Feste Surfzeiten vereinbaren, eine altersgerechte Software, Filterprogramme, hier gebe es einige Möglichkeiten Kinder und Jugendliche zu schützen.

„Schließt keine Verträge ab und gebt keine Accounts weiter“, wendet er sich direkt an die Jugendlichen. Auch beim Surfen komme es auf den Umgangston an. „Immer freundlich sein. Dadurch vermeidet man Ärger.“ Vor allem: Finger weg von illegalen Down- und Uploads. „Werden Urheberrechte auf juristischem Wege geltend gemacht, wird es richtig teuer.“ Oft sei die Downloadsoftware so konfiguriert, dass Dritte über das Internet auf die Mediensammlung zugreifen könnten. „Allein das Anschauen von Filmen auf „kino.to“ ist schon ein Straftatbestand.“ Außerdem lasse sich die Herkunft eingestellten Materials schlecht vertuschen. „Die IP-Adresse bleibt beim Provider gespeichert.“ Ein PC könne so unmittelbar seinem Standort zugeordnet werden.

Aber was tun, wenn das Kind bereits in den Cyber-Brunnen gefallen ist? „Oft fliegt eine Vertragsabzocke erst dann auf, wenn die Rechnung ins Haus flattert“, so Rudolph. Hilfreich sei die Kontaktierung der Verbraucherzentrale oder eines Anwalts. Wer bereits im Vorfeld tätig sein wolle, der fände unter „jugendschutz.net“ oder „klicksafe“ hilfreiche und aktuelle Infos. Natürlich bestehe, wie überall im Leben, die Möglichkeit im Netz auf Abwege zu geraten.“ Doch mit  gezielter und überlegter Herangehensweise und einem vernünftigen Zeitmanagement erwerbe man wichtige Kompetenzen im Umgang mit einem Medium, das auf vielfältige Weise nützlich sein könne.

J. Vesper

 
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