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Alljährlich am zweiten Weihnachtsfeiertag starten die LKW der „Weihnachtstrucker“-Aktion von Antenne Bayern auf große Fahrt in entlegene Gebiete Osteuropas. Voll beladen mit Lebensmittelpaketen erfahren auf diesem Wege Waisenkinder und arme Familien im harten Winter direkte und unbürokratische Hilfeleistungen. Bereits zum dritten Mal beteiligten Schüler, Eltern und Lehrer unserer Schule an der Spendenaktion.
„Hilfe, die wirklich ankommt“, so untertitelt Radiomoderatorin Angelika Demmerschmidt die Weihnachtsaktion, die sie vor 17 Jahren ins Leben rief und die mittlerweile zu einiger Popularität gelangt ist. Dabei stellen ihr „Die Johanniter“ zahlreiche ehrenamtliche Helfer zur Verfügung, die nicht nur bei der Vorbereitung zur Hand gehen, sondern auch dafür sorgen, dass der Konvoi, bestehend aus über 100 Fahrern, Beifahrern und Helfern, die bereitwillig ihren Weihnachtsurlaub opfern, und über 40 Trucks mit rund 20 Tonnen Ladung an den Feiertagen gen Osten rollen kann. Eine von den Johannitern eigens erstellte Packliste gibt vor, welche Nahrungsmittel und kleinen Präsente für die Kinder benötigt werden. Das soll eine reibungslose Zollabfertigung und die Gleichbehandlung der Empfänger vor Ort gewährleisten.
In vielen Regionen Osteuropas leben zahlreiche Menschen unter der Armutsgrenze und der Winter erweist sich hier oft als besonders streng und lang. Als studierte Ethnologin weiß die wortgewandte Radiomoderatorin, die für ihr Engagement in diesem Jahr von Europaministerin Emilie Müller mit der Bayerischen Europamedaille ausgezeichnet wurde, um die Probleme der Menschen. „Das Elend zwingt uns hinzusehen.“ Über eine halbe Millionen Päckchen konnten seit dem Start der Aktion übergeben werden.
Während sich das Interesse der Weltöffentlichkeit auf die großen Krisenherde des afrikanischen Kontinents fokussiert, fristen die osteuropäischen Länder ein von der breiten Öffentlichkeit weithin unbemerktes Dasein. Es wird kaum investiert, viele Menschen verlassen ihre Heimat. Seit mittlerweile 17 Jahren engagiert sich auch das Ehepaar Elke und Herbert Flöck für Kinder, Behinderte und verarmte Familien in Rumänien. Das Paar aus dem Rheinland hat Familienhäuser, Behindertenwerkstätten und ein ganzes Jugenddorf aufgebaut. Die Wunden der Ceausescu Ära sind längst nicht verheilt. Vernachlässigung, Unterernährung, fehlende Zuwendung, Missbrauch und Gewalt brachten eine ungeheure Zahl von körperlich und seelisch behinderten Menschen hervor. Diese als „Nullkinder“ bezeichneten jungen Erwachsenen haben heute keinerlei Absicherung und würden ohne die Hilfe des deutschen Ehepaares auf Lebenszeit in der Psychiatrie untergebracht.
„5 Kinder leben hier mit ihren Eltern auf zehn Quadratmetern, feuchte Wände, nur ein kleines Fenster, ein altersschwacher Holzofen, eine Couch und ein Bett und nur durch eine dünne Trennwand von den Kühen getrennt die ihnen noch nicht einmal selbst gehören.“ So berichten Fahrer der Hilfskonvois ernüchternden Weihnachtserlebnissen der vergangenen Jahre in Ländern Osteuropas, wo sich in unmittelbarer Nähe westlicher Wohlstandgesellschaften das „wahre Elend“ auftue. Angesichts solcher Erfahrungen freut sich Religionslehrer Andreas Meier, Initiator der „Weihnachtstrucker“-Aktion im Realschulhaus der Knaben, besonders über das spendenfreudige Engagement von Eltern-, Lehrer- und Schülerschaft in den Vorweihnachtstagen. Nach 77 Paketen im letzten Jahren, brachte unsere Schule heuer 116 mit einem Warenwert von knapp 2500 Euro auf den Weg.
J. Vesper |