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Sie legen ihre Eier an Land, bevorzugen wohltemperierte Lebensräume und erzeugen Ekel, Staunen und Faszination. Die Rede ist von den Kriechtieren, auch Reptilien genannt. Das Wissen über diese Spezies ist beim biologischen Laien zumeist lückenhaft ausgeprägt. Dieses  wird vor allem dann deutlich, wenn man Gelegenheit hat, den Ausführungen Manfred Werdans zu lauschen. Der Reptilienexperte stellte kurz vor den Herbstferien einige besondere Exemplare der Gattung unseren Sechstklässlern vor.

Die ältesten bekannten Reptilienfunde lassen sich auf das Permzeitalter zurückdatieren. Vor ca. 335 Millionen Jahren haben sie sich aus den amphibischen Landtieren entwickelt. Das Wort selbst stammt vom lateinischen Adjektiv „reptilis“, was sich mit kriechend übersetzen lässt. Schuppige Haut, ein Schwanz und vier Beine sind ihre gemeinsamen Merkmale, wobei sich letztere bei einigen Echsenarten und Schlangen im Laufe der Evolution zurückgebildet haben. Ausschließlich an Land legen sie Eier oder gebären lebende Nachkommen.

In unserer Klimazone hat es nie den Artenreichtum an Reptilien gegeben wie in den Tropen und Subtropen. Versteinerungen etwa von Krokodilen gehen auf Zeiten zurück, als Europa noch in Äquatornähe lag. Um so wichtiger sei es, so Werdan, dass man die wenigen Arten bei uns erhalte. 11 der 14 Arten sind nach der Roten Liste bedrohter Tiere in Deutschland in ihrem Bestand gefährdet.

Die in unseren Gefilden am häufigsten vorkommende Schlange ist die Ringelnatter. Ihr typisches Merkmal sind zwei halbmondförmige, gelbliche Flecken hinter dem Kopf. Daran hat der elfjährige Florian sie gleich erkannt. Sie mag Gewässer und alles, was sich darin bewegt. Obwohl sie bis zu 1,30 Meter lang werden könne, sei sie für den Menschen völlig harmlos, so Reptilienfachmann aus Burghausen, der den Kindern ein stattliches Exemplar in die Runde hält. Bis zu 25 Jahre könne sie alt werden, soweit es ihr gelingt ihre Feinde abzuwehren. Das macht sie zumeist durch den Ausstoß eines übel riechenden Sekrets oder dadurch, dass sie sich tot stellt. Seltener zeigt sich hierzulande die Esculapnatter, die größte in Deutschland lebende Schlangenart. Weil sie sich regelmäßig häutet, galt sie bei den Griechen und Römern als Symbol der Verjüngung und wurde dem Heilgott Äskulap geweiht. Auf der Welt kommen etwa 1500 Natterarten vor, jedoch nur 18 von ihnen in Europa. „Keine Angst! Eine Würgeschlange. Sie ist aggressiv, bissig, aber nicht giftig“, beruhigt Werdan die aufmerksame Schülerschaft.

Als giftigste europäische Schlange hat er eine Hornviper, oder Europäische Hornotter, im Gepäck. Bis zu 20 Schlangen im Frühjahr lebend gebährend, tötet sie ihre Beutetiere durch einen Giftbiss. Obwohl sehr giftig, gilt sie eher als träge und nicht aggressiv. Den Königspython findet man hauptsächlich in Westafrika oder in der umfangreichen Reptiliensammlung des Referenten. Das Jemencamäleon ist vor allem dadurch bekannt, dass es seine Augen unabhängig voneinander zu bewegen kann. Faszinierend ist seine Zunge, die die Beute umklammert und durch ein Sekret auf der Zungenspitze festhält.

Als neugierig und aufgeweckt gilt die Bartagame. „Leider wird die Echse heute schon in vielen Zoogeschäften angeboten,“ bricht Werdan eine Lanze für den Artenschutz. Eine artgerechte Haltung sei für die meisten Reptilien in handelsüblichen Terrarien nicht möglich. „Das ist Tierquälerei.“ Auch bezüglich der Haltung von Wasserschildkröten findet der öffentlich bestellte Sachverständige für Amphibien und Reptilien in Bayern deutliche Worte: „Finger weg! Lebewesen haben das Recht auf eine sach- und artgerechte Lebensweise.“ Die notwendige Pflege sei nicht vergleichbar mit der anderer Haustiere. Über vier Jahrzehnte sammelte der versierte Fachmann, der mit unzähligen Schlangen, Echsen und Schildkröten unter einem Dach lebt, Erfahrungen mit den Tieren, die er im Biologieunterricht zum Anfassen seinen jungen Zuhörern informativ und unterhaltsam präsentiert. Die erlebten zwei Schulstunden lang lebendige Biologie. Mit der deutlichen Warnung vor dem allzu fahrlässigen Umgang mit Tieren und der vermittelten Einsicht in die Notwendigkeit, Natur und Tierreich mit Achtung zu begegnen. Zum Abschluss bewegte sich ein Tigerpython geschmeidig über den Turnhallenboden. So etwas kommt wahrlich nicht alle Tage vor.

(J. Vesper)

 
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