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Während die Bildungsfachleute nur allzu heftig darum streiten, wie die beste Schule im Land aussehen soll, kommen die wirklich guten Ideen oft von außen. „Ein Glücksfall. Bei dieser Aktion hat jeder profitiert“, stellte Knabenrealschulrektorin Irmengard Schmidtner ein treffendes Resumee einer Aktion, die Schule machen könnte. Mit seinem „Vor(-)Leser“-Projekt hat Wilhelm Schneider, Inhaber von Bücher Kettl, wohl ins Schwarze getroffen. Er stellte mehreren Schulen eine Auswahl von neu erschienenen Kinder- und Jugendbücher zur Verfügung. Lehrer und Schüler griffen die Gelegenheit beim Schopf. Heraus kam Erstaunliches.
„Ich konnte nicht ahnen, welche Dimensionen das Ganze annimmt“, zeigte sich Schneider von der Arbeit der jugendlichen Rezensenten sichtlich überrascht. So hatte sich Maximilian aus der Klasse 4c ein Buch von einer Autorin namens Bettina Obrecht vorgenommen. „In diesem Buch geht es um Lisa, die gerne eine Band gründen und in den Sommerferien wegfahren würde“, so schreibt der Grundschüler. „Doch da ihr Opa, der einen Schlaganfall hatte, zu ihr und ihrer Familie kommt, wird nichts aus den Plänen.“ Um Freundschaft, Liebe, aber auch den Ernst des Lebens gehe es.. Das Buch mit dem Titel „Willkommen zurück, Opa“ empfiehlt er für Kinder ab 9 Jahre.
Lehrer Andreas Kuchler von der Knabenrealschule ging noch einen Schritt weiter. Seine Schüler der 7 c verarbeiteten den Lesestoff zu einem vollständigen Projekt, das eine Schulaufgabe ersetzt und entsprechend bewertet wird. Hierbei entstehen vielfältige Spielräume für kreative Textarbeit. „Eine unglaubliche Arbeit für die Lehrkraft,“ so Rektorin Schmidtner, die bei dieser Form eigenverantwortlichen Tuns im Deutschunterricht einen hohen Aufforderungscharakter der Lese- und Schreibtätigkeit ausmacht. „Wir sehen, dass solche Arbeitsformen den Schülern viel Spaß machen und auch Lernfortschritte bringen.“ Vor allem das Lesen in Verbindung mit der Arbeit am PC motiviere.
„Anfangs wollte ich das Buch nicht lesen“, schreibt Elisabeth Schadrin aus der Klasse 6 a der Hauptschule Freilassing. Aber das habe sich geändert, aus Langeweile sei Spannung entstanden, so die Schülerin. „Lesen ist Kino im Kopf“, so Schneider. Auch Bürgermeister Josef Flatscher liegt das Projekt und die Buchkultur am Herzen: „Das Buch ist das wichtigste Kulturgut, das wir haben.“ Leseförderung, aber auch die Förderung projektorientierten Arbeitens in den Schulen gelte es voranzubringen, so das Stadtoberhaupt mit vorausschauendem Blick auf die neue städtische Bücherei.
Ob Projektmappen, Plakate, Wandzeitungen, Lesetagebücher oder Portfolios, ein Buch bietet Schülern im Unterricht viele Möglichkeiten der Erarbeitung und kreativen Entfaltung. Hier kommen auch die zum Zuge, deren Stärken in ganz anderen Bereichen liegen als im Aufsatzschreiben. Abseits des klassischen Aufsatzunterrichts wird ein neuer Zugang zu Büchern ermöglicht und auch die Teamfähigkeit gefördert. Denn in welcher Schulaufgabe ist schon Gruppenarbeit gestattet. Mit einem Stapel nagelneuer Bücher beschenkte Schneider die Kinder aus den verschiedenen Schulen und Jahrgangsstufen zum Abschluss ihres Besuches in seiner Buchhandlung. „Bei der Rückkehr ins Schulhaus musste ich sie gleich verteilen“, zeigte sich Lehrer Kuchler von den neu entdeckten Lesefreuden seiner Siebtklässler einigermaßen überrascht.
(J. Vesper)
Hier kann man die Buch-Rezesionen der Schülerinnen und Schüler nachlesen! |