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Gleich zwei mit besonderen Ehren versehene Schüler in einer Klasse, das kommt im normalen Schulalltag nicht sehr häufig vor. In diesem Sommer legen Fatos Gashi und Koloman Wagner an der Knabenrealschule die mittlere Reife ab. Beide wurden vor ihrer Prüfung von Seiten des Kultusministeriums für ihre herausragenden Leistungen ausgezeichnet. Gratulationen von offizieller Seite konnten die zwei Jungen jetzt von den Bürgermeistern ihrer Heimatgemeinden entgegennehmen. Die hatten sich für einen spontanen Besuch im Klassenzimmer entschieden.

Ehrung im Klassenzimmer der Knabenrealschule: v. Lin. Kolomans Bruder Jan, Saaldorf-Surheims Bürgermeister Ludwig Nutz, Schulleiterin Irmengard Schmidtner, die geehrten Schüler Koloman Wagner und Fatos Gashi, Freilassinger Bürgermeister Josef Flatscher, Fatos´ Bruder Jetmir und seine Eltern Fatime und Fatmir Gashi.

Mitten im Kreis ihrer Mitschüler befanden sich die zwei 17-Jährigen, die die  vorgetragene Lobesrede der Stadtoberhäupter Josef Flatscher aus Freilassing und Ludwig Nutz aus Saaldorf-Surheim nicht ohne Stolz vernahmen. Nicht nur aufgrund ihres Könnens, sondern auch durch Fleiß und Engagement hatten sie sich ihre Auszeichnungen von ministerieller Seite erarbeitet. So wurde Koloman am Ende der neunten Klasse mit einem Zeugnisschnitt von 1,2 vom Ministerium für Unterricht und Kultus zu einem Ferienseminar nach Regensburg eingeladen. In seinen Klassenverband ist das aufgeschlossene Multitalent aus Saaldorf-Surheim, das sowohl auf künstlerischem Gebiet als auch im musikalischen Bereich über besondere Fähigkeiten verfügt, gut eingebunden. Neid kommt nicht auf im Kreis der 29 Jungen seiner Lerngruppe. Die seien schließlich selber gut, erlegt sich der sportliche Junge Zurückhaltung auf. Den Jüngeren im Schulhaus erteilte er Nachhilfe und „Ziach“-Unterricht. Die von ihm gekonnt porträtierten Größen der deutschen Literaturgeschichte als Beitrag zur Schulhausgestaltung finden allseits viel Beachtung.

Während Koloman seine Grundschulzeit auf der Kanareninsel La Palma verbrachte, kam sein Klassenkamerad Fatos im Alter von vier Jahren aus dem Kosovo nach Deutschland. In diesem Sommer erhielt er ein Stipendium des Kultusministers. Ausgezeichnet wurden im Rahmen des Programms „Talent im Land – Bayern“ besonders begabte und gesellschaftlich engagierte Jugendliche mit Migrationshintergrund. „Fatos war einer von über 300 Bewerbern. 30 haben ein Stipendium bekommen. Zwei von ihnen sind Realschüler,“ zeigt sich Schulleiterin Irmengard Schmidtner besonders stolz auf ihren Schüler, der seine Neigungen im technisch-mathematischen Bereich hat. .

„Schon nach dem Krieg wurde in unserer Gemeinde viel dafür getan, Menschen aufzunehmen und zu integrieren“, nahm Flatscher, der an der Knabenrealschule einst selbst die mittlere Reife ablegte, Bezug auf die Eingliederungsanstrengungen vergangener Tage, um die vorbildliche Integration des Schülers Fatos Gashi zu verdeutlichen. Lobende Worte fand Flatscher in diesem Zusammenhang auch für die Förderung von Seiten der Schule und des Elternhauses.

Schon öfters beim Musizieren zugehört habe er dem Koloman, so Bürgermeister Nutz. Er sei ein gutes Beispiel für die Leistungsbereitschaft Jugendlicher. Kurz vor Beginn der Abschlussprüfung gab er den Zehntklässlern seine besten Wünsche mit auf den Weg: „Diese besondere Auszeichnung sollte Ansporn für andere sein.“ - Der Ausdruck von Freude, Stolz, ein wenig Motivation für die anstehenden Prüfungen, die Chronik der Stadt Freilassing, ein Büchergutschein für zwei Jungen, die sich ein bisschen mehr erarbeitet haben als die anderen, trotzdem dazugehören, indem sie nicht viel Aufhebens um sich machen und die anderen auch nicht um sie. Kein alltäglicher Zustand in Klassenzimmern hierzulande.

(J. Vesper)

 
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