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Mittlerweile sind Michael Brandl und sein Team eine feste Größe im Schulhaus, vor allem wenn es um Fragen rund um die Bewerbung geht. Die AOK hat dafür eigens ein Bewerbertraining entwickelt, in dem Jugendliche ihre persönlichen Stärken herausarbeiten und für ein eigenes Profil zu verwenden lernen. Und Michael Brandl weiß, wovon er spricht. Schließlich hat er an unserer Schule selbst die mittlere Reife abgelegt. Von der Mitarbeit unserer „Neunten“ zeigte er sich angetan: „Alle waren sehr motiviert, obwohl das Training nachmittags stattfand.“ Über das durchweg positive Feedback habe sich das Team sehr gefreut, verteilte der Bewerbertrainer fleißig Komplimente an die willigen Schüler.

Viel hat sich im Schulhaus verändert, seit den Zeiten eines Michael Brandl. „Die modernen Unterrichtsräume, in denen wir das Bewerbungstraining durchführen konnten, gab es damals noch nicht.“ Überhaupt sei die Vorbereitung auf das Berufsleben durch die verpflichtenden Praktika, das AOK-Bewerbertraining, die Berufsinfomesse „Marktplatz Zunkunft“ und die Unterstützung von Seiten der Lehrer viel intensiver als vor zehn oder fünfzehn Jahren.

Es gab Zeiten auf dem Arbeitsmarkt, da reichte ein solides Bewerbungsschreiben mit einem ordentlichen Zeugnis und der aufgebügelte Anzug, um einen Lehrstellenwunsch zu verwirklichen. Doch die Zeiten haben sich gründlich gewandelt, genau wie die Bewerber. Arbeitgeber nutzen heute unterschiedliche Möglichkeiten, um sich geeignete Mitarbeiter herauszufischen. „Immer mehr Firmen setzen auf Einstellungstests und so genannte Assessmentcenter, um eine Vorauswahl zu treffen“, so Brandl.  Im modernen Bewerbercasting werden nicht nur die fachlichen, sondern auch die sozialen Kompetenzen ermittelt. Die prüfungsnahe Situation lässt auch Rückschlüsse auf die „Stressresistenz“ eines Bewerbers zu. „Auf so etwas sollte man vorbereitet sein“, so der Bewerbungstrainer. Gleiches gelte auch für die Bewerbungsgespräche.

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Sich soviel Hintergrundwissen beschaffen wie möglich, so laute die Maxime. Produkte, Dienstleistungen, die Firmengeschichte, diesbezüglich sei eine gründliche Recherche von Nöten.. „Zur optimalen Vorbereitung auf ein Vorstellungsgespräch eignet sich ein Fragenkatalog, wie wir ihn auch in unserem Bewerbertraining verwenden“, so Brandl. Von der Begrüßung bis zur Verabschiedung sollte das ganze Gespräch schon einmal durchdacht worden sein. „Je mehr ich antizipiere und verinnerliche, desto sicherer kann ich auftreten.“ Die Vorbereitung sei das wichtigste Instrument für den Erfolg des Bewerbungsgesprächs. „Wer gut präpariert auftritt, kommt auch mit Stressfragen  zurecht.“

Die Neuntklässler zeigen sich motiviert. Bereitwillig öffnen sie sich für Einblicke in die Details moderner Bewerbungsverfahren. Anzug und Krawatte seien nicht überall erforderlich. Man sollte in Erfahrung bringen, wie es mit dem allgemeinen Styling in einem Betrieb ausschaut. „Wird im Unternehmen lockere Kleidung getragen, reicht auch eine gepflegte Jeans mit Hemd.“ Wichtig seien hier vor allem die Umgangsformen. Die Vorbereitungen auf das Vorstellungsgespräch und das Herausstellen persönlicher Vorzüge bereiteten den Schülern die meisten Probleme. „Eigene Stärken sollte man am besten an Beispielen verdeutlichen“, so Brandl. Das Mitmachen in der Freiwilligen Feuerwehr gehöre ebenso dazu wie gute Schulnoten, soziales Engagement oder ein umfassendes technisches Verständnis, was dem Schüler im Rahmen eines abgeleisteten Praktikums bereits bestätigt wurde. Außerdem seien gute Noten in Lernfächern Ausdruck für Arbeitswillen und Anstrengungsbereitschaft.

„Dass man sich bezüglich des Bewerbungsschreibens alle möglichen Hilfestellungen in Anspruch nehmen und sie auch gegenlesen lassen sollte, versteht sich von selbst.“ Und sollte sich der einmal eingeschlagene Weg trotz aller Anstrengungen als Sackgasse erweisen, eröffnen sich immer auch neue Ziele und Perspektiven bezüglich der beruflichen Laufbahn. „Wichtig ist es zu wissen, dass man sich mit einer Ausbildung einen weiteren schulischen Weg immer offen hält“, so Brandl. Viele Azubis packe häufig am Ende ihrer Ausbildungszeit erst der richtige schulische Ehrgeiz.

(J. Vesper)

 
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