| Es einmal richtig krachen lassen |
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Das „Goaßlschnalzen“, ein alter Brauch mit „Knall“-Effekt. Dass das Ganze kein Zufallsprodukt von mit der Peitsche dreinschlagenden Halbwüchsigen ist, erkennt man oft erst auf den zweiten Blick. Auch hier gilt das Sprichwort von der Übung, die den Meister macht. Das Goaßlschnalzen in bayerisch-österreichischer Tradition bezeichnet ursprünglich das Krachen oder Knallen der Fuhrleute beim Schnalzen mit der Peitsche, der Geißl. Bei der Einfahrt in die Ortschaften machten sich die Kutscher durch eigene Klangfolgen bemerkbar, wodurch sie sich eindeutig von anderen Fuhrwerken unterscheiden wollten. Dabei entstanden Schlagvarianten wie der Vorhand- oder Rückhandschlag und der Doppelschlag, später auch „Triangel“ genannt. So entwickelte sich aus der fuhrmännischen Komposition akustischer Visitenkarten das ambitionierte Treiben unzähliger Amateur-Schnalzer. „Was dem Geiger seine Violine, ist dem Schnalzer seine Goaßl“, so umschrieb einst Martin Grundner, seines Zeichens Großmeister der Goaßlbauer aus Burghausen, seine Passion Mit über 80 Jahren stellte er noch Fuhrmannspeitschen aus Schilfrohr her. Mit ähnlichem Enthusiasmus erzählen auch Markus Dusch, Michael Reischl, Bernhard Kerschl und Xaver Wiesbacher von ihren Erlebnissen rund um ihre brauchtümlichen Aktivitäten. Die Schüler der neunten und zehnten Jahrgangsstufen und Aktive im Schnalzerverein Ainring berichten, „ein-trächtig“ gewandtet für ihre schulische Schnalz-Demonstration, von ihrem Erfolg beim letzten Rupertipreisschnalzen, wo sie das preisgekrönte Siegerteam stellten. Viermal Training die Woche unter Flutlicht. Schön gleichmäßig müssten die Schläge sein und direkt aufeinander folgen. Bei neun Leuten im Team kein leichtes Unterfangen. „Für den Erfolg muss man jahrelang üben“, so Xaver Wiesbacher. Der Anfänger dürfte dem „Instrument“ kaum einen Ton entlocken, nur der Könner erzielt den richtigen Knalleffekt, einen Überschallknall. Der Knall der Goaßl, bestehend aus Holzstiel und Hanfseil, entsteht durch die überschallschnelle Bewegung des Endes der Peitschenschnur. Bei Wettbewerben muss jeder Schlag sitzen: Bewertet wird die Präzision. Die Schläge müssten absolut sauber sein und im Takt der Musik erfolgen“, so die Jungen. Nach der maximal dreiminütigen Kracherfolge richte die Jury über Gesamteindruck, Musikalität und Technik. Viele Doppel- und Tripleschläge brächten viele Punkte. Ein knappes Jahr lang wird man auf den nächsten Auftritt der Schul-Schnalzer warten müssen. „Nur von Weihnachten bis zum Faschingsdienstag dürfen wir es richtig krachen lassen“, so das erfolgreiche Ainringer Schnalzerteam. Nach altem vorchristlichen Brauch soll den Mächten der Finsternis und Kälte der Garaus gemacht werden. Andere Deutungen sehen das Schnalzen als Mittel das Wachstum des unter der Erde schlummernden Saatgutes anzuregen. Während der Pestzeit soll es gar als Verständigungsmittel gedient haben. Dass es in den kommenden Jahren so weiter geht mit der innerschulischen Brauchtumspflege, darüber muss man sich keine Gedanken machen. Viele Schüler der unteren Jahrgänge sind in ihren Vereinen und in ihrem Brauchtum bereits fest verwurzelt und freuen sich auf künftige Veranstaltungen, wie sie von der SMV regelmäßig ausgerichtet werden. J. Vesper |
