| „Kompass“-Lehrer auf Bildungsreise in der Schweiz |
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„Die Individualität und Eigenständigkeit des Lernens muss bei jedem Schüler im Vordergrund stehen,“ so der frühere Journalist, Pädagoge und ausgebildete Psychologe. Niemand werde beschämt oder herabgewürdigt, das Vertrauen in die eigene Lern- und Leistungsfähigkeit gestärkt. Das Ambiente müsse stimmen. „Aber auch die Regeln müssen strikt beachtet werden.“ Physische oder psychische Gewalt, Drogen oder Alkoholkonsum sowie Diebstahl und andere Delikte haben den direkten Schulauschluss zur Folge. „Bei Verdacht auf Drogen nehmen wir eine Urinprobe,“ so der Schulleiter. „Kinder haben ein Recht auf klare Regeln.“
Heimlich rauchen, fehlende Lernnachweise oder Verstöße gegen zeitliche Vorgaben werden rigoros sanktioniert. Volkan ist 14, unterhaltsam und beredt. Er spricht fließend Spanisch, Englisch, Französisch und Deutsch. In der Hand hält er ein Sammelportfolio für seine Lernnachweise. Er erklärt, wie man mit einem Kompetenzraster arbeitet und eine Agenda funktioniert. „Hier sieht man, was man kann und nicht kann. Das ist gut,“ stell der Schüler einvernehmend fest. Seit einem Jahr ist er in Beatenberg, zusammen mit über 50 Mitschülern. Der Junge aus Zürich hat die Philosophie der Einrichtung längst verinnerlicht. „Er verfügt über ein hohes Maß an Fach-, aber wenig Wirkungskompetenz,“ so Müller. Sprich, er hat viel Talent, macht aber nichts daraus.
Aus Klassen wurden Lernteams. Hier soll die individuelle Kompetenz gefördert werden, auf ganz unterschiedlichen Wegen. Lernende sind dabei aktiv Gestaltende. „Sie lernen selbst und ständig“, so der Internatsleiter. Lernen verstehe sich dabei als ein lustvolles Entdecken eigener Stärken zum Nutzen einer erfolgreichen Lebensgestaltung. Erfolg stehe als Synonym für Selbstwirksamkeit. Einen großen Teil der Arbeitszeit gestalten sich die Schüler in eigener Regie. „Das Lernen als Straße zum Erfolg, ist eine Dauerbaustelle, ein permanenter Entwicklungsprozess.“ Für ein durchweg angenehmes Arbeitsklima sorge die sogenannte Flüsterkultur in den Arbeitsräumen.
Auch in der Wirtschaft setze sich der Trend zur kompetenzorientierten Betrachtungsweise mehr und mehr durch. Der Vergleich des eigenen Stärken-Schwächen-Profils mit den Anforderungen weiterführender Ausbildungen erlaube eine Einsicht in den nötigen Handlungsbedarf. „Kein Kind verlässt unsere Schule ohne eine Anschlusslösung“, so Referent Müller, dessen Vortragskunst im gesamten deutschsprachigen Raum hohe Wertschätzung findet. Den meisten von seinen Schützlingen dürfte das Abschiednehmen allerdings schwerfallen, verlassen sie doch damit nicht nur den idyllischen Logenplatz vor der Kulisse der Berner Alpen, sondern vor allem den vertraut gewordenen Platz in einer einzigartigen Lernwelt. |


