Home Events „Kompass“-Kids am Hintersee
„Kompass“-Kids am Hintersee Druckbutton anzeigen?
Mittlerweile ist der Aufenthalt unserer neu besetzten fünften Klassen im CVJM-Heim am Hintersee bei Berchtesgaden zu Beginn jedes neuen Schuljahres schon fester Bestandteil des Schulbetriebs. Auch in diesem Jahr wurde die Fahrt wieder zu einem Erlebnis für unsere Jüngsten, wobei die unterschiedlichen Unternehmungen wie der Besuch des Nationalparkhauses, der Wimmbachklamm und des Salzberwergwerks, ein  Kinobesuch und eine Fackelwanderung reichlich Erlebnischarakter hatte.
 
122_thumb_medium447_38944_thumb_medium298_32055_thumb_medium378_3856789k-SL735085k-SL735086k-SL735162k-SL735182

SIGE by Kubik-Rubik.de

Das Kennenlernen stand jedoch im Vordergrund. Schließlich geht es seit der Einführung des Unterrichtsfaches „Persönlichkeitsentwicklung“ im Rahmen der „Kompass“-Studie vor allem um die gezielte Entwicklung von Sozial- und Selbstkompetenz. Dafür gab es am Hintersee reichlich Gelegenheit, wie z. B. im Rollenspiel zum Thema „Lausbubengeschichten“, bei dem sich die Jungen in Kleingruppen sehr engagiert und findig in Szene zu setzen wussten.

 

Ziel des sozialen Lernens ist es, die Gruppenentwicklung innerhalb einer Klasse zu fördern, die soziale Kompetenz der Schüler zu steigern und damit auch die Arbeitsergebnisse der Klasse zu verbessern. Bewusst werden hierbei die emotionale und die rationale Intelligenz in Verbindung gebracht, denn in einer emotional positiven Atmosphäre lässt sich bekanntlich viel besser lernen als in einer negativen.

Im Einzelnen bedeutet dies:

•  Entwicklung der Selbstkompetenz, u.a. durch die Verbesserung des Selbstbewusstseins und des Verantwortungsgefühls

• Entwicklung der Sozialkompetenz, u.a. durch die Förderung von Empathie und Konfliktfähigkeit


Beim sozialen Lernen geht es darum, das eigene Verhalten zu reflektieren, Verhaltensalternativen zu erproben, das eigene Handlungsrepertoire zu erweitern und Schritt für Schritt die Fähigkeit zu einem friedlichen und respektvollen Umgang mit anderen zu entwickeln. Wobei friedlich meint, dass nicht jeder Konflikt unter den Teppich gekehrt werden soll. Alle Menschen sind verschieden, haben unterschiedliche Wünsche, Interessen, Bedürfnisse. Sie können sich nicht immer einig sein. Der Konflikt gehört zum menschlichen Leben als Voraussetzung für die Persönlichkeitsentwicklung.

Die Sozialisationsbedingungen von Kindern und Jugendlichen haben sich verändert. Zu den wesentlichsten Veränderungen zählen eine zunehmende Individualisierung, eine Vielzahl unterschiedlicher sozialer und kultureller Lebensformen, eine daraus resultierende Vielfalt unterschiedlicher Norm- und Wertsetzungen. Ein verbindlicher Wertekanon besteht nicht mehr, sondern muss von Fall zu Fall immer wieder neu ausgehandelt werden, Elternhäuser sind zum Teil von Arbeitslosigkeit und Armut bedroht. Konsumorientierung, eine überwältigende Vielzahl von Freizeitangeboten und die Einflüsse der Medien wirken nicht nur auf Kinder und Jugendliche, sondern auch auf Erwachsene desorientierend. Orientierungssuche bzw. -losigkeit, Zukunftsängste bis hin zur sozialen Vernachlässigung sind häufig die Folgen.  


Sollen die Übungen zum sozialen Lernen nachhaltig wirken, dann dürfen sie nicht nur die kognitive, sondern müssen vor allem die emotionale Ebene erreichen. Daniel Goleman ist es mit seinem Buch „Emotionale Intelligenz“ zu verdanken, dass der Begriff der emotionalen Intelligenz mit Erziehung und Lernen in Verbindung gebracht wurde. Seines Erachtens kommt der emotionalen Intelligenz bei einer erfolgreichen Lebensbewältigung ein größerer Stellenwert zu als der rationalen.

Gefühle wirken auf alle Lebensbereiche ein: Gesundheit, Lernen, Verhalten und Beziehung. Die anfängliche Verantwortung für die Entwicklung der emotionalen Intelligenz tragen die Eltern, doch auch die Schule kann und muss dazu beitragen, dass Kinder u. a. lernen, Gefühle wahrzunehmen, die eigenen und die der anderen, Gefühle auszudrücken, sich in die Gefühlslage anderer hineinzuversetzen, in Situationen Ja- von Nein-Gefühle zu unterscheiden, Gefühle, wenn notwendig zu kontrollieren, so dass sie selbst und andere nicht geschädigt werden.

Welche Methoden werden beim sozialen Lernen eingesetzt?
 
Beim Sozialen Lernen geht es in erster Linie nicht um die Vermittlung von Wissen und die För-derung von Einsichten im kognitiven Bereich, sondern darum, dass die emotionale Ebene in den Lernprozess einbezogen wird.
Das Training
Sozialförderliches Verhalten wird im Klassenraum trainiert, z. B. durch Übungen wie „Aktiv zuhören“ und „Ich- und Du-Botschaften unterscheiden und formulieren können“.
Das Rollenspiel
Durch szenische Darstellungen erhalten die Schülerinnen die Möglichkeit, unterschiedliche Rollen einzunehmen, die Perspektive zu wechseln und sich in andere Personen hineinzuversetzen. So werden Empathie und Akzeptanz anderer Meinungen gefördert. Verhaltensalternativen können ausprobiert werden.
Das Gespräch
Beim Sozialen Lernen steht die Sprache als Medium im Vordergrund. Das ist möglicherweise ein Grund dafür, warum es Mädchen viel leichter fällt, sich in diesem Unterricht einzubringen. Jungen sind eher auf der non-verbalen Ebene zu erreichen.
Bewegung und Körperarbeit
Übungen zu diesem Bereich sollen dem Bedürfnis der Schüler nach Bewegung Rechnung tragen. Außerdem schaffen sie eine gute Lernatmosphäre.
Entspannungs- und Konzentrationsübungen
Durch diese Übungen sollen die Kinder zur Ruhe kommen und lernen, wie sie selbst Konzentration bzw. Entspannung erreichen können.
Einsatz unterschiedlicher kreativer Methoden
Besonders den Schüler, denen es schwer fällt, sich verbal auszudrücken, ermöglicht der Einsatz kreativer Methoden andere Ausdrucksformen.
Gruppenaktivitäten
Viele Übungen sind so angelegt, dass sie nur von der ganzen Gruppe gemeinsam gelöst werden können. So wird das Zusammengehörigkeitsgefühl der Gruppe gestärkt.
Arbeitsblätter
Arbeitsblätter für Einzel-, Partner- oder Gruppenarbeit werden auch eingesetzt. Sie dienen in der Regel als Vorbereitung für Gesprächsrunden.

Am Hintersee kamen vor allem das Rollenspiel, wie bereits erwähnt, das Gespräch und auch Arbeitsblätter innerhalb einer „Naturkunde-Rallye“ im Nationalparkhaus zum Einsatz.    (J. Vesper)

 

 
Staatliche Realschule Freilassing, Powered by Joomla! and designed by SiteGround web hosting