| Wie gefährlich ist das Internet? |
|
![]()
Schulleiterin Irmengard Schmidtner begrüßte zum ersten Elternabend im neuen Schuljahr einen gern gesehenen Gast in der gut gefüllten Turnhalle. Bereits im Frühjahr informierte Polizeihauptkommissar Markus Tettenhammer auf sehr anschauliche und eindringliche Weise die Siebtklässler der Knabenrealschule. Mitte letzter Woche klärte der IT-Experte nun die zahlreich versammelte Elternschaft über all die unguten Machenschaften im World Wide Web auf. Und hier tun sich scheinbar immer mehr virtuelle Abgründe auf, vor denen es die Heranwachsenden zu schützen gilt.
Im Zeitalter moderner Medien vergeht kaum mehr ein Tag, an dem die Aktivitäten rund um das Internet nicht für schlagzeilenträchtige Nachrichten sorgen. Die Geister, die man rief und nun nicht mehr loswird, werden oft zitiert, wohlwissend, dass es mit diesen jetzt erst richtig losgehen könnte. Dass große Errungenschaften ihre Kehrseiten haben, ist bekannt, dass viele, vor allem auch junge Leute, oft einschneidende Erfahrungen damit machen, ist in dieser Reichweite Neuland. „Es hilft nichts, so Polizeihauptkommissar Markus Tettenhammer, in der letzten Woche vor der Elternschaft der Knabenrealschule, „wir müssen uns den Herausforderungen des modernen Medienzeitalters stellen.“
Der durch dienstliche Erfahrungen versierte Fachmann fand in den über 300 anwesenden Eltern eine aufmerksame Zuhörerschaft, die der anschauliche Vortrag zum Thema „Gefahren im Internet“ an vielen Stellen nachdenklich stimmte. „Wo ist Klaus?“, so der Titel eines Werbespots, der seit 2005 in Kinos und im Fernsehen für Furore sorgt, flimmert über die Leinwand in der Schulturnhalle. Eine unbedarft wirkende Mutter lässt allerhand skurrile Gestalten ins Haus - zu „Klausi“ und zum Schluss ihre kleine Tochter mit einem Fremden alleine weggehen. Eine europaweit populäre und filmisch gelungene Darstellung, die die vier Problembereiche der Internetnutzung in ironischer Darstellung auf den Punkt bringt: Rechtsextremismus, Pornografie, Gewaltdarstellungen und Pädosexualität.
97 Prozent der Jugendlichen nutzten mittlerweile das Internet, so Tettenhammer, und verschafften sich immer öfter Zugang zu diesen Bereichen, was fatale Folgen haben könne und sie häufig in Konflikte mit dem Gesetz brächte. „Menschenverachtende Gewaltszenarien verändern einen Menschen, so Tettenhammer, „da passiert etwas mit ihm.“ 10 Prozent der Jugendlichen stünden auf der Schwelle zur Sucht. „Non-mediale Freizeitaktivitäten nehmen ab,“ so der IT-Experte, „die Jugendlichen treiben immer weniger Sport, die so wichtige Bewegung fehlt ihnen.“
Viele neuartige Abzocke-Angebote im WWW beschäftigen neuerdings auch ein Heer von Strafverteidigern. Ob „Lebensscheck“, „IQ-Test“ oder „hausaufgaben.de“ - die Angebote sind so gestaltet, dass sie auf den ersten Blick seriös und kostenlos erscheinen. Gleichzeitig lockt oft die Teilnahme an einem tollen Gewinnspiel. Tatsächlich fallen jedoch einmalige Nutzungsentgelte an oder der Nutzer schließt einen dauerhaften und kostenpflichtigen Dauervertrag ab, wie zum Beispiel ein „Klingelton-Abo“. „Über 20 Milliarden Euro, noch nie verfügten Jugendliche über soviel Geld,“ so der Jugend- und Präventionsbeamte der Polizei, „und noch nie wurde so aggressiv geworben, um es ihnen aus der Tasche zu ziehen.“
Anders als die Betreiber rechtsextremistischer Seiten suchen die Anbieter von Kinderpornografie nicht die breite Öffentlichkeit der medialen Plattenformen, sondern organisieren in aller Regel den Verkauf oder den Austausch pornografischer Inhalte über geschlossene Zirkel, über Tauschbörsen, IRC oder das Usenet. Auch Chaträume würden genutzt. Hier versuchten sie, häufig mit falscher Identität, Kontakte zu Kindern zu knüpfen und ihr Vertrauen zu gewinnen. Die Identität Minderjähriger würde gezielt ausspioniert. Hier seien problematische und gefährliche Kontakte an der Tagesordnung. „Das größte Risiko besteht, wenn es zu einem wirklichen Treffen kommt,“ so der Hauptkommissar. „Da besteht Gefahr für Leib und Leben.“
Probleme bereiteten in letzter Zeit auch häufig Verstöße gegen das Urheberrecht. „Sie werden verschärft eingeklagt. Die Strafen sind drastisch.“ Nicht alles, was möglich sei, sei auch erlaubt, warnt die Internet-Initiative „klicksafe.de“.Wer sich mit den rechtlichen Grundlagen nicht auskenne, gehe oft ein gefährliches Haftungsrisiko ein. Die einfache Bedienbarkeit von Online-Technologien kann vor diesem Hintergrund tückisch sein. Auch Blogs, Foren oder private Webseiten gerieten zunehmend ins Visier der Ermittler. Die verbotene Entnahme oder Veröffentlichung von Musik, Videos oder Fotos würde zum Teil rigoros verfolgt.
Doch gibt es einen effizienten Schutz gegen die Gefahren des Surfens in den virtuellen Sümpfen? Soziale Kontakte, Ansprechpartner seien in erster Linie wichtig, so der Netz-Experte der Polizei. Dass ein Filterprogramm keine absolute Sicherheit.garantiert, ist gemeinhin bekannt. Sich mit einem Netzführerschein schlau zu machen, empfehlen die IT-Schützer von Klicksafe. Ein Drittel der Jugendlichen hätten schon häufiger unangenehme Begegnungen im Chatraum gehabt. Gemeinsam über Erlebnisse im Chat sprechen, aber auch Grenzen und Regeln festlegen, das sollten Eltern von Kindern ab zehn Jahren unbedingt beherzigen.
(Johannes Vesper)
|

