| 600 Hände für „Red Hand Day“ |
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Man braucht nicht viel um dabei zu sein. Rote Fingerfarbe und ein weißes Blatt Papier reichen aus, um beim „Red Hand Day“ mitzumachen. Die globale „Aktion Rote Hand“ übermittelt eine eindeutige Botschaft, die sich vor allem an die UN-Politiker in New York richtet: Kein Einsatz von Kindern als Soldaten. Erstmals beteiligte sich auch die Knabenrealschule Freilassing mit einer Aktion an der Intiative, die unter der Federführung des Kinderhilfswerks „terres des hommes“ alljährlich am 12. Februar durchgeführt wird. Obwohl von kurzer Hand geplant, konnten an die 600 rote Hände auf den Weg gebracht werden.
Als Markus seine rot getünchte Hand mit einem kräftigen Druck auf das weiße Blatt Papier aufsetzt, sind seine Gedanken eher bei seinem Kunstwerk als bei Kindersoldaten: „Das wird was“, zeigt sich der 12- Jährige Siebtklässler stolz. Eifrig kritzelt er seinen Namen unter den Handabdruck. Und eine Botschaft soll auch noch auf´s Papier: „Keine Kinder in den Krieg“. Die Anregung seines Tischbarn greift der Junge dankbar auf. Kindersoldaten, ja, die habe er schon mal im Fernsehen gesehen. Ganz sicher ist er sich nicht.
Und sehr groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass er keine gesehen hat. 250.000 bis 300.000 soll es geben, weltweit. An einem Tag wie dem „Red Hand Day“ rücken sie für einen kurzen Moment in den Fokus der Weltöffentlichkeit. Selbst wenn das angestrebte Ziel von 1.000.000 abgedruckter Hände und ebenso vieler Botschaften, erreicht wird, werden die globalen Aktivitäten, an denen sich auch die Vertreter des Deutschen Bündnisses Kindersoldaten und amnesty international beteiligen, eher einen der hinteren Ränge im weltweiten Wohltätigkeitswettbewerb einnehmen. Obwohl sich hohe Politprominenz wie Bundespräsident Horst Köhler in den Dienst der Sache stellt, erlebt der Aktionstag nur geringen öffentlichen Widerhall.
Seit 2002 findet der „Tag der roten Hände“ alljährlich am 12. Februar statt, der Tag, seit dem das Zusatzprotokoll der UN-Kinderrechtskonvention den Missbrauch von Kindern als Soldaten verbietet. Alle Unterzeichnerstaaten haben sich darin verpflichtet, keine Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren zu rekrutieren. Seit dem sind viele Regime auf der Hut, wird doch vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag der erste internationale Prozess wegen des Rekrutierens von Kindern geführt. Angeklagt ist Thomas Lubanga, ehemaliger Kommandeur einer kongolesianischen Rebellengruppe. Zumeist gelingt es bewaffneten Gruppen, Kinder zu entführen, sie zwangsweise zu rekrutieren oder mit falschen Versprechnugen zu locken, ohne dass jemand Notiz davon nimmt.
Dann gilt nur noch das Gesetz von Befehl und Gehorsam. Beweggründe wie Angst vor Strafen und Misshandlungen, die Hoffnung auf Schutz, die Sicherheit und Versorgung, das nackte Überleben treiben Kinder in die Hände skrupelloser Milizenführer. „Die Kinder werden oft geschlagen, misshandelt und gezwungen, Grausamkeiten zu begehen. Sie müssen zum Beispiel andere Kinder töten, wenn diese fliehen wollen“, schreibt „terres des hommes“ im letzten Lagebericht. Absolute Einschüchterung und Gehorsam, die Abstumpfung gegen Grausamkeit seien die Ziele. Viele überlebten die Schikanen, Entbehrungen und Verletzungen nicht. „1000 sterben, aber wem fällt das auf?“
Ob in den Urwäldern Kolumbiens, auf den Philippinen in Afghanistan – überall sind sie im Einsatz. Besonders dramatisch erscheint die Lage in Sri Lanka. In Burma sollen 77.000 Kinder sowohl auf Seiten der Regierungsarmee als auch für die Oppositionsgruppen kämpfen. Für die meisten Kriege gilt: Je länger ein Krieg dauert, desto mehr Kinder werden zum Kampfeinsatz herangezogen..Kann es Kindersoldaten als Opfern schwerster Kriegsverbrechen gelingen, sich aus dem Netz kriegerischer Verstrickungen mit eigener Kraft zu lösen. um in einem freien Land ein neues Leben zu beginnen? Im deutschen Asylverfahren hätten sie schlechte Karten. Das Bundesamt für die Anerkennung politischer Flüchtlinge würde sie als „Fahnenflüchtige ohne politische Verfolgung“ einstufen. (J. Vesper)
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