| Sicher surfen im Internet – Ein Vortrag für die Jahrgangsstufe 7 |
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![]() Ein ganz normaler Freitagnachmittag. Philipp hat mittlerweile dreieinhalb Stunden unkontrollierten Surfens im Internet hinter und mindestens noch zwei vor sich. Denn dann kommen seine Eltern von der Arbeit heim. Philipp ist vor einem Monat 12 geworden, und man darf ihn getrost einen Computerfreak nennen.
Die schier unbegrenzten Möglichkeiten der Kommunikation und Interaktion im World Wide Web haben leider auch ihre Schattenseiten. „10 Prozent der Jugendlichen stehen an der Schwelle zur Sucht“, so Polizeihauptkommissar Markus Tettenhammer, der im Rahmen zweier Vorträge an der Knabenrealschule die jugendlichen Zuhörer auf die gefährlichen Seiten moderner Medientechnologie hinwies.
Philipps Spezilität ist das Herunterladen von „Snuff-Videos“ aufs Handy – für die Pausenpräsentation im Kreis seiner Mitschüler. Als die Eltern heimkommen, hat der Junge seine Schulaufgaben schon gemacht. Das versichert er glaubhaft. Als eines Tages die Polizei vor der Tür steht und das Gerät beschlagnahmt, gehen ihnen die Augen auf. „Solche Fälle sind keine Seltenheit“, so der Jugend- und Präventionsbeamte der Polizei. „Kaum jemand interessiert sich für das , was Kinder im Netz machen und erleben“, so die Fachjournalistin Beate Schöning, Gründerin von „NetKids“, einem Verein zum Jugendschutz im Internet.
Täglich werden Kinder und Jugendliche im Internet Opfer pädophil veranlagter Täter. In Chat-räumen, via E-Mail oder auch der Telegramm-/ Flüsterfunktion (ICQ) nehmen sie Kontakt zu ihren Opfern auf. „Abgeschlossener Chatroom? - Die Leute kommen überall hinein“, so Tettenhammer. Niemand sei allein im Netz. „Niemals Namen und Adresse bekannt geben“, rät er den jugendlichen Nutzern. „Das Internet ist kein Poesiealbum.“ Die meisten Gespräche begännen harmlos, endeten jedoch häufig in einer Katastrophe. Gerade speziell für Kinder und Jugendliche vorgesehene Chaträume würden oft zur Falle.
Immer mehr Täter nutzen vom heimischen Wohnzimmer oder sogar vom Arbeitsplatz aus die Anonymität des Netzes, um ihre Neigungen aktiv auszuleben, mit betrügerischen Mitteln Geschäfte zu machen, Viren in Umlauf zu bringen oder Bilder einzustellen, die in die Abgründe physischer und psychischer Existenzen führen. Oft sind Schulen, Elternhäuser oder Beratungsstellen ratlos, keine Software kann dies verhindern, die Provider halten sich zurück, schließlich geht es für sie um viel Geld. „Es kursieren Bilder im Netz, die an grausamen und abartigen Inhalten nicht zu überbieten sind“, so Tettenhamer. Ob man so etwas sehen müsse, entscheide der Jugendliche und seine Eltern in persönlicher Verantwortung.
Mit 55 Millionen Euro will die EU ab 2009 das Programm „Mehr Sicherheit im Internet“ auflegen. Kinder, Lehrer, Eltern sollen für die Gefahren sensibilisiert, das Problembewusstsein gesteigert werden, sichere Online-Software und Mobil-Technologie soll zum Einsatz kommen. 75 Prozent der Kinder und Jugendlichen surfen jetzt schon europaweit im Internet, 50 Prozent der Zehnjährigen besitzen ein Handy. Noch nie verfügte eine junge Generation über soviel Geld: 20 Milliarden, ein Viertel des bundesdeutschen Konjunkturpakets, stehen hierzulande den 6- bis 19-Jährigen zur Verfügung.
Ein Großteil davon wird in moderne Medien investiert, die oft genauso schnell wieder abhanden kommen, wie sie erworben wurden. 13.741 Handys wurden 2005 allein in Bayern gestohlen“, so Tettenhammer. Oft stecke Beschaffungskriminalität dahinter. „Es ist wichtig die Bluetooth-Schnittstellen abzuschalten, wenn es nicht benötigt wird“. Hier seien die 0190 und 0900er Nummern ein Problem. Vorsicht bei Service-Hotlines, beim Herunterladen von Logos, Klingentönen oder Spielen. Nicht selten der erste Schritt in die Schuldenfalle.
Denn irgendwann könnte man zur Verantwortung gezogen werden, strafrechlich mit 14, zivilrechtlich ab 7 Jahren. Nicht selten führten per Handy erstellte Videosequenzen zu Konflikten mit dem Gesetz. Das gelte auch für die Verbreitung von Gewaltdarstellungen oder die heimlichen Bildaufnahmen im Klassenzimmer. „Einer Verurteilung erfolgt ein Eintrag ins Strafregister“, so der Medien-Experte der Polizei. Sind es die viel zitierten Geister, die man rief und nun nicht mehr loswird? 84 Prozent der deutschen Haushalte sind schon am Netz. In 32 Jahren werde das Internet genauso viel Strom verschlingen, wie man derzeit auf der ganzen Welt verbrauche. „Die Entwicklung ist kaum mehr aufzuhalten,“ so die einhellige Meinung von Experten. Jetzt könne es nur noch um gezielte Präventionsarbeit in Schulen und Elternhäusern gehen. Hierfür bietet das Familienministerium die hilfreiche Broschüre „Ein Netz für Kinder“ an. (J. Vesper)
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