| Von der Kelle zur Kreide: Die Polizei im Unterricht |
|
|
Guten Unterricht zu machen, ist kein Kinderspiel. Selbst wenn die Schülerschaft zu den unteren Jahrgängen zählt, gehört einiges dazu, Kinder zu motivieren, sie zu erziehen und ihnen Lerninhalte zu vermitteln. Vom Anspruch pädagogischer Arbeit im Schulbetrieb konnten sich einige zukünftige Verkehrserzieher der Polizei ein Bild machen, die im Rahmen ihrer einwöchigen Ausbildung am Fortbildungsinstitut der Bayerischen Polizei erste Unterrichtserfahrungen an der Knabenrealschule – hier in der Klasse 5 b - und der Berufsschule sammelten.
Verkehrerziehung ist ein Bestandteil des schulischen Lehrplans, der an den meisten Schulen eher stiefmütterlich behandelt wird. Ein Schulpädagoge nimmt sich häufig nicht die Zeit dazu oder es fehlen ihm die vertieften Kenntnisse für eine angemessene Vermittlung. Um diese unterrichtliche Lücke zu füllen, werden Verkehrserzieher ausgebildet. Deren Tätigkeitsfeld erstreckt sich vom Schulwegtraining in der Grundschule, über das Radfahrtraining in der Jugendverkehrsschule bis hin zum Verkehrsunterricht für die höheren Klassen aller Schulstufen.
Zu Beginn ihrer Ausbildungswoche besuchen die Verkehrserzieher die Jungen der Klasse 5 b an der Knabenrealschule Freilassing, um vom hinteren Teil des Klassenraumes aus das unterrichtliche Geschehen genauer unter die Lupe zu nehmen. „Verhalten am Schulbus“ lautet das aktuelle Thema der Stunde, welches Klassenlehrerin Gabi Oswald-Müller ihren Schülern auf professionelle Weise nahe bringt. Leider passieren immer wieder schwere bis tödliche Unfälle durch Unachtsamkeit im Bereich von Schulbushaltestellen.
Als Prämisse für einen guten Verkehrsunterricht formuliert Polizeirealschuloberlehrer Thomas Müller, der die Ausbildung am Ainringer Institut leitet, eine lebendige Form der Unterweisung durch seine angehenden Lehrkräfte: „Wir wollen einen methodisch abwechslungsreichen Unter-richt, der die Schüler mit einbezieht.“ Lebensnah, authentisch, mit Aufforderungscharakter. Frontalunterricht ist „out“. Eine Vorgabe, welche die Teilnehmer gleich zu Beginn ihrer Seminarwoche in Ainring sich verinnerlichen. Wie sich Müllers Zielvorgaben umsetzten lassen, müssen die Seminarteilnehmer zuerst einmal selbst erarbeiten. „Der Lehrer als Vorbild und Organisator“, „Medien und Methoden im Unterricht“ und „Fragen und Antworten im Unterricht“, ein vielfältiges und breites Themenspektrum, das arbeitsteilig in Kleingruppen behandelt wird.
Nach der theoretischen Vorbereitung geht’s nun in die Details unterrichtlicher Planung: Wie formuliere ich Lernziele? Wie erstellt man eine Unterrichtsmatrix? Welche Medien setze ich ein? Zum Schluss liegen die Verlaufspläne bis ins Kleinste durchdacht vor den aufgeregten Teilnehmern. – „Habe ich an alles gedacht? Sind die Aufgaben für die Stillarbeit verständlich formuliert? Und hoffentlich machen die Schüler mit.“ Das Lampenfieber vor der pädagogischen Premiere steigt. „Alkohol im Straßenverkehr“, „Gefahren im Herbst und Winter“ und „Ride a Bike – Radfahren aber richtig“, so lauten die Unterrichtsthemen, bei denen der Verkehrsalltag greifbar wird. Eine 11. Klasse der Berufsschule, eine 5. und eine 6. Klasse der Knabenrealschule - hier hat Seminarleiter Thomas Müller eine altersgemäße Zuordnung der Schülerschaft festgelegt.. Und er zeigt sich sehr zufrieden mit den ersten Gehversuchen seiner Verkehrserzieher im Klassenzimmer. Die Jungen der Realschule jedenfalls waren sich ganz sicher: „Ein super, cooler Unterricht!“
(T. Müller/ J. Vesper) |
