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Eine tierische Begegnung: So leben die Enkel der Dinosaurier

 
Ist es nun eine Form der Desensibilisierung, die einem die Angst vor Schlangen oder Echsen nehmen soll, oder geht es tatsächlich nur um einen naturnahen Einblick in die Welt der Reptilien? Die Schüler unserer sechsten Klassen jedenfalls zeigten wenig Berührungsängste, als Manfred Werdan, Sachverständiger an der Regierung von Oberbayern, auf Einladung von Biologie-Fachschaftsleiter Christian Daxl, den Jungen einen Einblick in sein Reptilien-Repertoire gewährte. Werdan  plauderte zwei Stunden lang aus dem  biologischen Nähkästchen und ließ keine Fragen offen. Wie auch, schließlich lebt er mit 87 Schlangen, 29 Echsen und 91 Schildkröten unter einem Dach. Einige davon hatte er mitgebracht.
 
In heimischen Gefilden treffen wir von den Schlangen am häufigsten die Ringelnatter an. Sie wird einen Meter groß, vermehrt sich käftig, verschlingt Mäuse, Frösche und Fische als ganze Happen und kann bis zu 20 Minuten unter Wasser bleiben, Zeit genug, um sich mit frischem Fisch aus dem Gartenteich zu versorgen. Sie beißt nicht, sondert bei Verfolgung ein übelriechendes Sekret aus oder stellt sich tot. Die Äskulap-Natter, die zumeist in wärmeren Gefilden vorkommt oder als Sinnbild für ärztliche Tugendschaft herhalten muss, ist da schon aggrressiver. Sie ist die größte in Deutschland lebende Schlange und kann bis zu 1,80 Meter groß werden. Sie erstickt ihre Beute, bevor sie sie verschlingt. Kühl und feucht mag es die heimische Kreuzotter, lebensbedrohlich ist ihr Biss nicht.
 
Manfred Werdan ist ein versierter Fachmann. Aber wann tritt er als Sachverständiger in Aktion? In erster Linie dann, wenn eine artgerechte Haltung von Reptilien nicht gewährleistet ist oder gar der Rechtsweg eingeschlagen wurde. „Die Pflege von Reptilien ist eine schwierige Angelegenheit,“ so Werdan. „Sie ist nicht vergleichbar mit der anderer Haustiere.“ Man solle sich keinesfalls in Zoogeschäften leichtfertig auf Käufe einlassen. Ein Experte wird auch dann benötigt, wenn ein Kaiman unverhofft einen Badenteich aufsucht oder eine Python sich Ausgang aus einem Schaustellerwagen verschafft hat. Dann gilt es, Ruhe zu bewahren und der Freiwilligen Feuerwehr mit guten Ratschlägen zur Seite zu stehen.
 
Echsen, Schildkröten und Schlangen, auch exotische, einmal anfassen zu dürfen – das vesetzte die Jungen ins Staunen, über die Evolution einer Art, die vor 340 Millionen Jahren aus den prähistorischen Amphibien hervorging. Schildkröten und die meisten Echsen haben vier Extremitäten, also Paare von Vorder- und Hinterbeinen. Die Vorder- und Hinterfüße tragen jeweils fünf Zehen. Bei den Echsen zeigt sich wiederholt eine Tendenz zur Rückbildung der Gliedmaßen. Schlangen besitzen keine Beine mehr. Man vermutet, dass wühlende Vorfahren den Übergang von beintragenden Echsen zu beinlosen Schlangen einleiteten, da Beine unter der Erde eher hinderlich sind.
 
Die Reptilien nehmen in der Evolution der Wirbeltiere eine zentrale Rolle ein. Von einigen Ausnahmen abgesehen lebten sie als erste Tiergruppe vollständig auf dem Festland, dem sie sich durch Ausbildung von Eiern mit fester poröser Schale und einer Embryonalhülle durch wechselwarme Körpertemperatur, Lungenatmung und Schuppenhaut angepasst hatten. Im Mesozoikum – vor ca. 250 Millionen Jahren – entwickelten sie eine enorme Artenvielfalt und dominierten das Tierreich. Erstmals eroberten Pterosaurier, die die Lüfte unsicher machten und die wohl mächtigsten Giganten, die je unseren Globus bewohnt haben, begannen, alle Teile der Welt für lange Zeit zu bevölkern: die Dinosaurier. Die Mehrzahl der Arten sind in der Kreidezeit ausgestorben, sodass von den ursprünglich 23 bekannten Reptilienordnungen heute noch vier mit etwa 6000 Arten übrig geblieben sind: Schildkröte, Schnabelköpfe, Krokodile und die eigentlichen Schuppenkriechtiere.  (J. Vesper)
 
 
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