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Auch in der Knabenrealschule Freilassing hatte der Nikolaus seinen Auftritt. Er stattete den Buben der fünften und sechsten Jahrgangsstufe einen Besuch ab. Manuel Weiß als Nikolaus, Michael Marnette, Dennis Eisenberger und Thomas Lackner als Krampusse, Florian Sturm als Knecht Ruprecht und Elisabeth Hummelsberger als Engel sorgten am Freitagvormittag für eine gelungene Präsentation weihnachtlichen Brauchtums im Schulbetrieb. Dabei machte Elisabeth, Schülerin der zehnten Jahrgangstufe, auch auf die Aktion „Rote Hand“ aufmerksam, die vom Kinderhilfswerk „Terre des hommes“ ins Leben gerufen wurde. Am 12. Februar 2009, dem so genannten Red-Hand-Day sollen UN-Politikern eine Million „rote Hände“ übergeben werden. Durch einen Handabdruck mit roter Fingerfarbe auf einem DIN-A 4-Blatt kann jeder Einzelne mithelfen, auf die Not von Kindersoldaten aufmerksam zu machen.
 
Um den heiligen Nikolaus ranken unzählige Legenden: Er rettete drei zum Tode Verurteilte vor dem Henker, bewahrte drei Töchter eines vearmten Mannes vor der Prostitution, indem er ihnen einen Beutel voll Gold durchs Fenster warf, er stillte einen Seesturm oder stoppte die Hungersnot in Myra durch eine Kornvermehrung. St. Nikolaus zählt zu den beliebtesten und größten Heiligen überhaupt. Das wundertätige Nikolausbild entstand bereits vor über 1000 Jahren. Zum Großteil stammen die sagenhaften Erzählungen aus dem griechischen Legendenbestand.
 
Das Schülerpatronat
 
Erst im Hochmittelalter entsteht in Westeuropa die weitaus wichtigste Legende für die Entwicklung der Brauchformen, wie wir sie heute kennen, nämlich die Legende von den getöteten und wieder auferweckten Schülern, die so genannte Schülerlegende. Dabei erweckt Nikolaus drei reisende Schüler, die aus Habgier von ihrem Gastwirt getötet und in Pökelfässern eingelegt wurden, wieder zum Leben. Das Motiv der Kinderliebe wird hier - wie in vielen anderen Legenden auch – sehr gut sichtbar. Schon im 11. Jahrhundert  findet man die ältesten szenischen Bearbeitungen von Episoden aus dem Leben des Heiligen.
 
Seit dem 14. Jahrhundert bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil ist das Gleichnis von den Talenten als Tagesevangelium für den 6. Dezember vorgesehen. Hier geht es um die Mehrung der Talente   und darum, sich vor Gott für seine Taten zu rechtfertigen. So bringt die Liturgie – in Übertragung auf die Schüler – den Brauch hervor, am 6. Dezember Rechenschaft über Glaubensbekenntnis und Gelerntes abzulegen. Bis ins Hochmittelalter reichen die Vorformen des prüfenden Bischofs aus Myra.
 
Den Ursprung aller heutigen Adventsbräuche stellt das Knabenbischofsfest des späten Mittelalters dar. Seinen Ausgang nimmt das Fest in den Klosterschulen Nordfrankeichs, in denen Chorknaben die Stellung des Bischofs und der Kapläne kurze Zeit einnehmen und deren Amtspflichten ausführen. Allerlei Auswüchse des Bischofsfestes führen schließlich dazu, dass mit Beginn des 15. Jahrhunderts nicht mehr der Narr die häufigste Verkleidung darstellt, sondern der Teufel. Sogar Klöster und Kirchen verleihen Teufelskostüme und -verkleidungen für die Fastnacht.
 
Einkehrbrauch und Maskenumzug
 
Während die Reformatoren das Nikolausbrauchtum einzuschränken suchten, setzten die Katholiken den Heiligen in den Mittelpunkt ihrer Adventspädagogik. Nach 1550 wird der Bischof von Myra verstärkt zum Prüfstein für die religiöse Tugendhaftigkeit der Kinder. Ungehindert der protestantischen und katholischen Einwirkungen auf die Figur des Gabenbringers bestehen die aus dem Bischofsspiel erwachsenen Maskenumzüge der Adventszeit fort.

Schließlich entsteht der Einkehrbrauch. Schon Anfang des 18. Jahrhunderts ist der Nikolausbesuch in allen gesellschaftlichen Schichten zu finden. Immer stärker wird er in Szene gesetzt. Bei der häuslichen Einkehr wird St. Nikolaus fast immer von einer guten oder bösen Gestalt begleitet. Von woher diese Figuen kommen, ist unklar. Man nimmt an, dass die Nikolausbegleiter im Alpenvorland aus den wilden Maskenumzügen der Vorweihnachtszeit stammen. Je nach Landschaft variieren die Schreckgestalten in Aussehen und Name. So wirkt das christliche Dualismusprinzip bis heute auf die Gefolgschaft des Nikolaus. Die Zahl der Akteure schwankt zwischen einem einzigen Darsteller, der sowohl lobt und straft, und einem Nikolaus mit vielen Begleitern. Sämtliche Namen der Gefolgsleute wie Krampus oder Ruprecht gehen auf das Wort Teufel zurück. Die längste und durchgängigste Tradition unter den Schreckgestalten hat der Kinderfresser, der schon im ersten Viertel des 16. Jahrhunderts im Süden des deutschen Sprachraumes bekannt war.
 
(Quelle: Martin Hallinger. Der Nikolaus und seine Buttenmandl. Verlag A. Plenk. 2004)
 
 
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